Von Exzellenz-Uni bis Pergamonmuseum: Sanierungsstau in Berlin
Sanierungsstau in Berlin: Von TU bis Pergamonmuseum

Die Technische Universität Berlin hat ihr Hauptgebäude überraschend komplett geschlossen. Grund sind erhebliche Baumängel, die eine sichere Nutzung unmöglich machen. Berlins Wissenschaftssenatorin Ina Czyborra (SPD) sprach von einer mittleren Katastrophe. Doch die TU ist nur ein Beispiel für den chronischen Sanierungsstau in der Hauptstadt.

Prominente Gebäude betroffen

Auch das Pergamonmuseum, das zum Weltkulturerbe zählt, ist bereits seit Herbst 2023 wegen Sanierungsarbeiten geschlossen. Erste Teile sollen im Juni 2027 wieder zugänglich sein, der Pergamonaltar eingeschlossen. Vollständig öffnen kann das Museum aber voraussichtlich erst 2037, wie die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mitteilt.

Das Deutsche Historische Museum an der Straße Unter den Linden muss ebenfalls noch Jahre ohne sein historisches Hauptgebäude auskommen. Es ist seit 2021 geschlossen, eine Wiedereröffnung vor 2031 gilt als unrealistisch.

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Schloss Bellevue: Risse und Brandschutzmängel

Am Berliner Amtssitz von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier stehen umfangreiche Arbeiten an. Im denkmalgeschützten Schloss Bellevue gibt es Risse in den Geschossdecken, die Lüftungsanlagen funktionieren nicht richtig und die Fenster sind nicht einbruchssicher. Im benachbarten Bundespräsidialamt muss vor allem der Brandschutz modernisiert werden. Die grundlegende Sanierung soll mindestens 601 Millionen Euro kosten und bis zu acht Jahre dauern. Der Bundespräsident und die rund 220 Mitarbeiter sollen in einen Ausweichbau umziehen, dessen Fertigstellung sich von Frühjahr auf Sommer verzögert hat.

Staatsbibliothek: Elf Jahre Schließung

Die Staatsbibliothek nahe dem Potsdamer Platz soll ab 2030 für elf Jahre schließen. Die Architekturikone muss für 1,1 Milliarden Euro grundsaniert werden. Mehr als 5,4 Millionen Bücher und andere Medien müssen ausgelagert werden. Die Pläne stammen unter anderem vom Architekten Hans Scharoun, der auch die benachbarte Philharmonie entworfen hat. Auch die Philharmonie muss wegen Problemen beim Brandschutz und regelmäßiger Schäden überholt werden, voraussichtlich ab 2032 benötigen die Philharmoniker ein Zwischenquartier.

Ursachen des Sanierungsstaus

Das Landesdenkmalamt sieht die Ursache in einem über Jahre aufgelaufenen Investitions- und Unterhaltungsstau. Notwendige Maßnahmen wurden nicht rechtzeitig angegangen und werden nun deutlich komplexer und teurer. Bei stark genutzten Gebäuden kommen hohe Anforderungen an Brandschutz, technische Infrastruktur, Energieeffizienz und Barrierefreiheit hinzu.

Brücken und Straßen ebenfalls betroffen

Der Sanierungsstau betrifft auch die Verkehrsinfrastruktur. Im März 2025 wurde die Ringbahnbrücke am Autobahndreieck Funkturm wegen eines Risses im Tragwerk gesperrt und inzwischen abgerissen. Der Ersatzneubau soll bis Sommer 2027 fertig sein. Laut Berliner Senat sollen innerhalb von 15 Jahren 175 marode Brücken durch Neubauten ersetzt und weitere 125 instand gesetzt werden. Die Kosten belaufen sich auf rund 1,84 Milliarden Euro. Viele der über 1.000 Brücken sind über 100 Jahre alt und den heutigen Anforderungen nicht gewachsen.

Politische Kritik

Berlins Linke-Fraktionsvorsitzender Tobias Schulze kritisiert, dass es immer wieder zu Sperrungen bei Schulen, Sportstätten und Schwimmbädern komme. Auch in Krankenhäusern gebe es einen massiven Sanierungsstau. Dies sei die Folge zu geringer Investitionen in die Instandhaltung in den vergangenen Jahrzehnten und ein Effekt der Schuldenbremse.

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