Supermarkt-Stress eskaliert: Security-Mann pflaumt Vater und Kinder an
Es war ein typischer Freitag in Neubrandenburg – lang, anstrengend und voller Verpflichtungen. Nach einem arbeitsreichen Tag holte ich meine beiden Kinder aus der Kita ab, wie es unser wöchentliches Ritual vorsieht. Gemeinsam machten wir uns auf den Weg zu unserem Stamm-Discounter, um den Großeinkauf für das Wochenende zu erledigen.
Der Einkauf beginnt turbulent
Kinder nach einem langen Kita-Tag sind voller Energie – das wissen alle Eltern. Während ich Joghurt, Hackfleisch und Spätzle in den Einkaufswagen legte, waren meine Kleinen bereits auf dem Weg zur Eistruhe. Die Freude über Wassermelonen und Eiscreme ist bei ihnen immer groß, auch wenn ich später heimlich die ein oder andere Süßigkeit wieder aus dem Wagen entfernen muss.
Kurz vor der Kasse bemerkte ich, dass noch Tomaten und Käse fehlten. Ich gab meinem Sohn den Auftrag, das Gemüse zu besorgen, während ich mich um die Milchprodukte kümmerte. In diesem Moment klingelte mein Telefon – ein wichtiger Anruf, den ich nicht ablehnen konnte.
Die Situation eskaliert
Plötzlich verlor mein Sohn die Kontrolle über den Einkaufswagen und rammte unbeabsichtigt eine Palette mit Weinflaschen. Sekunden später kam ein Mann um die Ecke gesprintet – der neu eingestellte Security-Mann des Supermarktes. Trotz meines Telefonats redete er auf mich ein, ignorierte meine Bitte, kurz zu warten, und machte seinem Ärger Luft.
„Sie müssen auf Ihre Kinder aufpassen!“, fuhr er mich an. „Sie haben die Pflicht, sie zu beaufsichtigen und dafür zu sorgen, dass sie ruhig sind!“ Ich konnte kaum glauben, was ich hörte. Nachdem ich aufgelegt hatte, versuchte ich, die Situation zu deeskalieren, und erklärte, dass die Kinder nach einem langen Tag einfach laut sein dürfen.
Der Satz, der alles veränderte
Der Security-Mann blieb hart. Als ich ihn fragte, ob er uns etwa rausschmeißen wolle, zog er sich zwar zurück, behielt aber das letzte Wort. Beim Bezahlen beschloss ich, das Gespräch noch einmal zu suchen – eine Entscheidung, die sich als emotional aufgeladen herausstellen sollte.
„Ich weiß ja nicht, ob Sie Kinder haben...“, begann ich. Er fiel mir sofort ins Wort. Nein, Kinder habe er nicht, aber das ändere nichts an meiner Aufsichtspflicht. Dann kam der Satz, der bei mir alles zum Überlaufen brachte: „Wenn ich mich früher so benommen hätte wie Ihre Kinder, hätte es von meinen Eltern was auf den Allerwertesten gegeben.“
Ich war sprachlos. „Ernsthaft? Gewalt? Das soll die Lösung sein?“, fragte ich entgeistert. Der Security-Mann wirkte, als würde ich übertreiben, und versuchte, seine Aussage abzuschwächen. Doch der Schaden war angerichtet.
Nachwirkungen und Reflexion
Im Auto auf dem Heimweg überkamen mich gemischte Gefühle. Einerseits tat es mir leid, dass ich am Ende gesagt hatte: „Ohne Sie war es definitiv stressfreier hier.“ Andererseits blieb die Empörung über seine gewaltverherrlichende Aussage.
Kinder sind laut, verspielt und manchmal unberechenbar – das gehört zu ihrer Natur. Die Frage bleibt: Warum greift ein Security-Mann so hart ein, wenn Kinder im Supermarkt herumtoben? Ist es wirklich nur der Rempler gegen die Weinpalette gewesen, oder steckt mehr dahinter?
Ein gesellschaftliches Problem
Ich beziehe diese Erfahrung nicht speziell auf Neubrandenburg oder unsere Region, sondern sehe darin ein allgemeineres Problem in Deutschland. Immer wieder stelle ich fest – und mein Umfeld bestätigt dies –, dass es in anderen Ländern deutlich familienfreundlicher zugeht. Kinder werden dort in ihrer Natürlichkeit akzeptiert und sind selbstverständlicher Teil des öffentlichen Lebens.
Natürlich gibt es auch Grenzen, und nicht jedes Verhalten ist in jedem Kontext angemessen. Doch der Umgang mit Familien im Alltag sagt viel über eine Gesellschaft aus. Vielleicht sollten wir uns fragen, ob wir nicht mehr Gelassenheit und Verständnis für die Bedürfnisse von Kindern und ihren Eltern aufbringen können.
Eines ist sicher: Kinder sind unsere Zukunft, und sie sollten nicht mucksmäuschenstill durch den Supermarkt laufen müssen. Ein bisschen Lärm und Lebensfreude gehören dazu – auch beim wöchentlichen Einkauf.



