Brandenburgs SPD und CDU im Endspurt der Koalitionsverhandlungen
In Brandenburg befinden sich die Koalitionsverhandlungen zwischen der SPD von Ministerpräsident Dietmar Woidke und der CDU unter Landeschef Jan Redmann in der entscheidenden Schlussphase. Dreieinhalb Wochen nach Beginn der Gespräche sollen bis zu diesem Mittwoch alle fünf Arbeitsgruppen ihre Ergebnisse an das Hauptverhandlungsteam übermittelt haben, wie Informationen der Deutschen Presse-Agentur bestätigen.
Die finanzielle Herausforderung als größte Hürde
Über den Verhandlungen schwebt das Damoklesschwert knapper Finanzen. „Die mit Abstand größte Herausforderung ist sicherlich die Haushaltslage des Landes“, betonte SPD-Generalsekretär Kurt Fischer. Er machte deutlich, dass Sparanstrengungen unumgänglich seien. CDU-Landesvorsitzender Jan Redmann unterstrich am Dienstag, dass die geplante Koalition nicht mit dem „Rasenmäher“ sparen wolle, sondern klare Schwerpunkte setzen müsse. Dabei deutete er an, dass die innere Sicherheit ein solcher Fokus werden könnte.
Die stellvertretende CDU-Landeschefin Karina Dörk, Landrätin in der Uckermark, brachte die Erwartungen der Bürger auf den Punkt: „Ich glaube, der Bürger möchte einfach die Lösung seiner Probleme sehen.“ Die geplanten Säulen der künftigen Koalition sollen Stabilität und Sicherheit sein.
Zeitplan und nächste Schritte
Beide Parteien zeigen sich mit dem Verhandlungsfortschritt zufrieden. „Wir wollen bis Ende Februar fertig sein“, erklärte Redmann. Bis dahin soll auch der Koalitionsvertrag vorliegen. SPD-Generalsekretär Fischer bestätigte: „Ende Februar/Anfang März ist auf jeden Fall ein realistisches Zeitfenster, wenn wir weiter so gut vorankommen.“
Für die finale Zustimmung sind folgende Schritte geplant:
- Ein SPD-Parteitag am 14. März
- Eine Mitgliederbefragung der CDU zum Koalitionsvertrag
- Mehrere Regionalkonferenzen der Christdemokraten
Hintergrund der Regierungsbildung
Die aktuellen Verhandlungen wurden notwendig, nachdem Ministerpräsident Woidke am 6. Januar die deutschlandweit bisher einzige SPD/BSW-Koalition für beendet erklärt hatte. Dieser Schritt folgte auf wochenlange Streitigkeiten in der BSW-Landtagsfraktion und mehrere Austritte aus der Fraktion.
Das Verhältnis zwischen den bisherigen Koalitionspartnern ist deutlich abgekühlt. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) wirft der SPD vor, den Ausstieg gezielt geplant zu haben, um mit der CDU eine neue Regierung zu bilden.
Erfahrung und Mehrheitsverhältnisse
Nach der Landtagswahl im September 2024 hatte die CDU ein Bündnis mit der SPD zunächst mit Verweis auf eine fehlende Mehrheit abgelehnt. Diese Mehrheit ist jetzt wiederhergestellt: Durch den Wechsel von zwei früheren BSW-Abgeordneten in die SPD-Fraktion verfügen SPD und CDU nun über zwei Stimmen Mehrheit im Brandenburger Landtag – genau so viele, wie SPD und BSW nach der Wahl hatten.
Die beiden Parteien können auf gemeinsame Regierungserfahrung zurückblicken:
- Von 1999 bis 2009 unter Ministerpräsident Manfred Stolpe und später Matthias Platzeck
- Von 2019 bis 2024 unter Regierungschef Woidke zusammen mit den Grünen
Diese historische Verbindung bedeutet, dass viele der aktuellen Verhandler bereits miteinander vertraut sind und auf etablierte Arbeitsbeziehungen zurückgreifen können.



