Vom leeren Hof zur Solawi: Paar versorgt 200+ Haushalte
Vom leeren Hof zur Solawi: 200+ Haushalte versorgt

Eine glückliche Fügung setzte 2017 den Grundstein für das, was Johannes und Laura Walzer seither gemeinsam aufgebaut haben. Aus einer Idee wurde ein Unternehmen mit mehreren Mitarbeitern, das mittels Solidarischer Landwirtschaft (Solawi) mehr als 200 Familien wöchentlich mit Gemüse und mehr versorgt.

Leerstehenden Hof mit neuem Leben gefüllt

Vor neun Jahren konnte das Paar bei Upahl einen alten Hof und das umliegende Land übernehmen. „Wir konnten das Objekt von der Kirche übernehmen, wir wirtschaften hier auf Kirchenland und haben ein Erbbaurecht für die Hofställe“, schildert Johannes Walzer. Der Hof stand lange leer, vieles war kaputt und zerfallen, überall wurde Müll abgeladen. Doch das konnte die beiden nicht aufhalten. „Ich bin eigentlich Schweriner und hätte mir nicht erträumt, hier so eine Fläche zu finden“, sagt Johannes Walzer. „Als wir ankamen, haben wir zunächst angefangen, wieder Infrastruktur aufzubauen und Wohnraum im Haus zu schaffen.“ 2018 übernahm das Paar sieben Hektar Ackerfläche zur Pacht und gründete den solidarischen Landwirtschaftsbetrieb.

Mit Mut und Ideen nach dem Studium in die Selbstständigkeit

Ein großer Schritt für das junge Paar. „Ich habe ökologischen Landbau studiert, im Bachelor und Master, und mehr oder weniger aus dem Studium sind wir direkt hierhergekommen. Wir waren noch ziemlich grün hinter den Ohren“, erinnert sich der zweifache Familienvater. Nach und nach richteten sie den Hof her und bauten den Betrieb auf. Das angebaute Gemüse vermarkten sie über ein Kistensystem. „Wir haben damals mit 15 Kisten, also 15 Familien, angefangen – im ersten Jahr als Testballon. Meine Frau und ich haben auch noch extern gearbeitet. Mittlerweile beliefern wir rund 250 Anteile oder Familien jede Woche. Die Kisten werden in Depots ausgefahren. Man kann am Hof abholen, aber auch in Schwerin, Lübeck und Wismar haben wir Abholstellen, wo wir jeden Freitag die Gemüsekisten hinfahren“, so Walzer. Rund 50 verschiedene Kulturen werden angebaut, um die Mitglieder das ganze Jahr über zu versorgen.

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Solidarisches Prinzip: Bezahlt wird nach einem Richtwert

„Für die Gemüsekisten gibt es keinen festen Preis, sondern einen Richtwert. Wenn alle diesen Richtwert zahlen, kommen wir auf die Summe, die wir für die Produktion brauchen. Wir bieten eine große und eine kleine Kiste an. Der Richtpreis bedeutet, dass Menschen, die zehn Euro mehr geben, es Menschen, die nur zehn Euro weniger geben können, ermöglichen, die gleiche Qualität und Menge zu bekommen“, erklärt der Betriebsleiter. Gleichzeitig schafft das System eine direkte Bindung zu den Abnehmern. Wiebke Göring, seit eineinhalb Jahren Mitglied, sagt: „Ich lege Wert auf regionales und saisonales Gemüse. Durch die Kisten werde ich inspiriert und koche jetzt andere Sachen. Es ist toll, mehr Vielfalt ins Essen zu bekommen.“ Den Tag der offenen Tür nutzte sie, um sich den Anbau anzusehen.

Biobetrieb von Anfang an

Seit der ersten Stunde ist der Hof ein Biobetrieb. „Da kam für mich nichts anderes infrage, als ohne synthetische Dünger und chemischen Pflanzenschutz zu arbeiten“, betont Walzer. „Die Mission ist der Bodenfruchtbarkeitsaufbau, denn nur mit gesunden Böden können wir gesunde Lebensmittel erzeugen.“ Statt synthetischer Mittel setzen sie auf Nützlinge, Kulturschutzfolien und selbst hergestellte Pflanzenstärkungsmittel wie Kompost-Tee. Zu den anfangs sieben Hektar kamen weitere Flächen hinzu, die gemeinsam mit einem Bewirtschaftungspartner bestellt werden. „Das ist eine Fruchtfolgeentlastung, weil wir in dieser Fläche mit unserem Gemüse rotieren können, was gut für die Pflanzengesundheit und den Boden ist“, so Walzer.

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Zukunftsvision: Vollversorgung der Solawi-Mitglieder

Auf den zusätzlichen Flächen wird Getreide angebaut – ein Schritt zur Zukunftsidee des Paares. „Unsere Vision ist, irgendwann eine Vollversorgung aufzubauen“, sagt der Öko-Landwirt. Schon jetzt können die Mitglieder neben Gemüse weitere Anteile dazubuchen. Laura Walzer baut Blumen an, die sie zu Sträußen bindet. „Im Zierpflanzenanbau gibt es keine Grenzwerte für Pestizidrückstände. Viele Blumen haben einen langen Weg und bis zu 100 verschiedene Pestizidrückstände, besonders Rosen. Ich will zeigen, dass regionale Blumen nicht langweilig sind und lange in der Vase halten“, sagt die 36-Jährige. Sie bietet etwa 50 verschiedene Blumenarten an. Das Gemüse und die Blumen werden auch auf dem Wochenmarkt in Lübeck und im Sommer in Boltenhagen angeboten. Darüber hinaus können die Mitglieder Eier, heimisches Obst und Südfrüchte wie Orangen und Zitronen von einer Finca in Andalusien dazubuchen. In der Zukunftsvision kommen Brot aus eigenem Getreide oder Molkereiprodukte hinzu. „Das wäre meine Idealvorstellung“, sagt Johannes Walzer.