Das Wal-Drama vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns sorgt in Deutschland für große Anteilnahme, stößt im Ausland jedoch vielfach auf Verwunderung. Internationale Medien berichten weniger über den gestrandeten Buckelwal selbst, sondern vor allem über das enorme Medieninteresse und die Rettungsbemühungen in Deutschland. Die „New York Times“ bezeichnete den Wal als „Deutschlands Lieblingswal“ und sprach von einem Touristen- und Medienspektakel. Die spanische Zeitung „El País“ sprach von einem „Medienphänomen“, bei dem lokale Nachrichtensender live über selbst kleinste Veränderungen des Zustands des Tieres berichteten. Der staatliche portugiesische TV-Sender RTP verwies auf den Einfluss des „hitzigen“ Wahlkampfs in Mecklenburg-Vorpommern.
Häufige Strandungen in anderen Ländern
In Spanien und Portugal stranden deutlich häufiger Meeressäuger als in Deutschland. Obwohl es keine verlässliche Statistik gibt, gehen Medienberichte von 20 bis 50 Strandungen pro Jahr aus. Besonders auf den zu Portugal gehörenden Azoren-Inseln im Atlantik, die auf den natürlichen Wanderwegen der Tiere liegen, werden regelmäßig geschwächte oder kranke Tiere angespült. Die meisten Strandungen betreffen Zwergwale, Pottwale und Delfine. Rettungsaktionen bleiben oft erfolglos, wie im April 2022, als ein junger Pottwal südlich von Lissabon strandete. Trotz des Einsatzes von Tierschützern, Feuerwehr und Polizei mit Kränen, Planen und Wasser starb das Tier. Eine Obduktion ergab, dass es krank war.
Dänemark: Natur ihren Lauf nehmen lassen
In Dänemark strandeten allein in diesem Jahr mehrere Wale, zuletzt im Februar sechs Pottwale vor der Küste der Nordseeinsel Fanø. Die dänische Umweltbehörde stellte fest, dass mindestens eines der Tiere zunächst noch lebte, unternahm jedoch keinen Rettungsversuch. Auch eine Einschläferung wurde verworfen. Die Behörde erklärte, dass bei Walen über vier Metern Länge eine ethisch und sicherheitsmäßig verantwortliche Rettung nicht möglich sei. Man ließ den Wal am Strand von Sønderho in Ruhe, damit er friedlich sterben könne. Die Vorgabe des dänischen Umweltministeriums lautet generell, gestrandete große Meeressäuger weder zu töten noch zu retten – die Natur solle ihren Lauf nehmen.
Japan: Wale sterben in der Bucht von Osaka
Auch in Japan, einer Walfangnation, kommt es regelmäßig zu Walstrandungen. 2023 erlangte ein etwa acht Meter langer Wal kurzzeitige Berühmtheit, der in der Mündung des Yodo-Flusses in Osaka gesichtet wurde. Neugierige strömten an die Bucht, doch das Tier wurde immer schwächer und verendete schließlich – eine Rettungsaktion gab es nicht. Im Jahr darauf starb ein etwa 13 Meter langer Wal in der gleichen Bucht. Laut Hafenamt starben alle Wale, die in die Bucht gerieten. Ein Behördenvertreter sagte, man könne nur im Voraus planen, wie die Kadaver zu entsorgen seien.
Entsorgung von Walkadavern: Touristenangst in Dänemark
Im März wurde in Dänemark über die Entsorgung eines am Strand in Nordjütland angespülten Pottwals diskutiert. Anwohner forderten die Entfernung des Kadavers, da sie befürchteten, dass der Verwesungsgestank im Sommer Touristen abschrecken könnte. Die Umweltbehörde lehnte einen Abtransport jedoch ab, da der tote Wal Möwen und anderen Aasfressern als Nahrung dienen könne.
Neuer Rettungsversuch für „Timmy“ unter Druck
Die Helfer des vor der Ostsee-Insel Poel gestrandeten Buckelwals „Timmy“ stehen unter zunehmendem Druck. Die Behörden stimmten ihrem neuen Rettungskonzept am Abend nicht zu. Ein Sprecher von Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) erklärte, es seien noch einige Fragen zu beantworten. Der Plan sieht vor, den Wal durch eine mehr als 100 Meter lange Rinne von seinem Liegeplatz in tieferes Fahrwasser zu bringen. Dort soll ein 50 mal 30 Meter großer, mit Wasser gefüllter Lastkahn warten, der den Meeressäuger in Richtung Nordsee transportieren soll. Angestrebt wird der Sonntag oder Montag.
Die Tierärztin der privaten Rettungsinitiative, Kirsten Tönnies, räumte ein, dass der Transportkahn verspätet eintreffen werde. Einen genauen Zeitpunkt nannte sie nicht. Für Sonntagmittag wird ein deutlich steigender Wasserstand in der Bucht vorhergesagt. Umweltminister Backhaus sagte, die Situation werde ähnlich sein wie am Montag, als der Wal nach rund drei Wochen Liegezeit von selbst losschwamm. „Es kann auch genauso gut sein, dass der Wal sich wieder losmacht.“ Während der Buckelwal um sein Leben kämpft, steht Backhaus wegen melodramatischer Auftritte in der Kritik – ein Lehrstück über politisches Marketing.



