Wasserstoff-Offensive in MV: Stockt der Ausbau wichtiger Leitungen?
Wasserstoff in MV: Stockt der Leitungsausbau?

Mecklenburg-Vorpommern (MV) strebte einst die Spitzenposition bei der Nutzung von Wasserstoff-Technologien an, vor allem um mehr Industrie im Nordosten anzusiedeln. Doch der Ausbau wichtiger Leitungen stockt offenbar. Wirtschaftsminister Wolfgang Blank (parteilos) spricht von einer „gewissen Verlangsamung“ und einer „realistischeren Sicht auf Umsetzungsschritte“, was Technik und Kosten betrifft. Konkrete Antworten zu Fördermitteln für die geplante Wasserstoffleitung von Rostock nach Güstrow/Glasewitz blieb er im Landtag schuldig.

Wirtschaft zeigt sich ungeduldig

In der Wirtschaft klingt das anders. Ein Insider berichtet, man werde von der Regierung zum Thema Wasserstoff hingehalten und alles dauere viel zu lange. Ein Betreiber strich eine Leitung von Güstrow Richtung Süden, ein anderer zog sich aus einem Projekt in Lubmin zurück. Eva-Maria Dichtl von der Firma Enertrag fordert von Land und Bund „klare Zeitpläne und verlässliche Rahmenbedingungen für einen zügigen Ausbau“. MV zähle zu den besten Standorten für erneuerbare Energien, doch das Stromnetz sei bereits stark belastet. Eine Wasserstoff-Pipeline von Rostock bis Glasewitz sei entscheidend, um Erzeugung und Nutzung zusammenzubringen. Ohne diese Verbindung pausiert Enertrag derzeit Projekte.

Vier Hauptprojekte im Überblick

Die Landesregierung setzt auf vier Hauptprojekte für Wasserstoffleitungen, die von der Bundesnetzagentur genehmigt wurden:

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  • Leitung Lubmin–Bobbau: Die 400 Kilometer lange ehemalige Gasleitung OPAL ist bereits fertig und am Netz.
  • Leitung Rostock–Wrangelsburg: Diese 120 Kilometer lange Pipeline soll Ende 2028 in Betrieb gehen, Baubeginn ist für 2027 geplant.
  • Ostsee-Pipeline Lubmin: Eine 1250 Kilometer lange Leitung durch die Ostsee soll im Oktober 2029 in Betrieb genommen werden und die Anbindung an baltische und finnische Erzeugungsregionen sichern.
  • Leitung Rostock–Glasewitz: Diese Nord-Süd-Verbindung ist wichtig für Elektrolyseure in Güstrow, Laage oder Dummerstorf. Ein Vorhabenträger ist noch nicht benannt; das Land prüft Optionen.

Kritik von Opposition und Kammer

Der Grüne Abgeordnete Hannes Damm warnt: „Wenn die Anbindung an das Wasserstoffnetz nicht rechtzeitig kommt, droht Mecklenburg-Vorpommern massive Investitionen, Wertschöpfung und Arbeitsplätze zu verlieren.“ Die Förderkulisse laufe 2028 aus – bis dahin müssten die Projekte stehen. Nach dem Wasserstoff-Desaster in Lubmin dürfe die Landesregierung nicht wieder tatenlos zusehen. Klaus-Jürgen Strupp, Präsident der Industrie- und Handelskammer Rostock, betont die Notwendigkeit von Planungssicherheit. Die Landesregierung solle sich konkret äußern, auch wenn die Umsetzung Jahre dauern könne.

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