Brandenburgs Regierungschef mit überraschender Aussicht auf weitere Amtszeit
In wenigen Monaten wird Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke voraussichtlich zum dienstältesten Regierungschef Deutschlands aufsteigen. Doch wie lange bleibt der SPD-Politiker noch an der Spitze des Bundeslandes? Inmitten laufender Koalitionsverhandlungen liefert Woidke eine überraschende Antwort, die mit einem berühmten Filmzitat aufwartet.
„Sag niemals nie“ als politisches Motto
Nein, Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke will nicht der neue James Bond werden. Doch mit dem Zitat aus dem Bond-Film „Sag niemals nie“ sorgt der SPD-Politiker für Aufsehen. Woidke schließt eine weitere Amtszeit nach der Landtagswahl 2029 nicht kategorisch aus. Nach dem angekündigten Rückzug von Winfried Kretschmann in Baden-Württemberg wird Woidke voraussichtlich der dienstälteste Ministerpräsident in Deutschland sein.
„Ich bin jetzt 64 Jahre alt. Wir haben einen Ministerpräsidenten in Deutschland, der über 70 Jahre alt ist – nämlich Winfried Kretschmann in Baden-Württemberg“, erklärte Woidke gegenüber der Zeitung „Nordkurier“. „Ich will eigentlich nicht unbedingt bis über 70 arbeiten, aber wie gesagt: Sag niemals nie. Das ist ein alter Spruch, den ich beherzigen möchte.“
Klare Bekenntnisse zum Amt
Auf die direkte Frage, ob er bis zum Ende der aktuellen Wahlperiode im Amt bleiben wird, wich Woidke zunächst aus. „Ich persönlich bin gerne Ministerpräsident dieses Landes“, betonte er dem „Nordkurier“ gegenüber. „Ich versuche momentan, gemeinsam mit dem Vorsitzenden der CDU eine stabile Regierung zu bilden. Und wenn mir das gelingt, dann bin ich auch optimistisch, dass ich noch ein paar Jahre als Ministerpräsident für dieses Land arbeiten darf.“
Erst auf Nachfrage folgte dann der bemerkenswerte Ausspruch „Sag niemals nie“, der nun als mögliches Motto für Woidkes weitere politische Laufbahn interpretiert werden könnte.
Nachfolgedebatte noch nicht aktuell
Der Regierungschef, der Brandenburg seit 2013 regiert, sieht den Zeitpunkt für eine Nachfolgediskussion noch nicht gekommen. „In der SPD werden wir uns Gedanken über einen möglichen Wechsel machen, wenn der eines Tages anstehen sollte“, so Woidke. „Derzeit steht er nicht an.“
Als potenzielle Kandidaten für eine spätere Nachfolge werden verschiedene Namen diskutiert:
- Innenminister René Wilke (ehemals Linke, seit November SPD-Mitglied)
- Wirtschaftsminister Daniel Keller
- Kulturministerin Manja Schüle
Bis zu ihrem Rücktritt 2025 wurden auch der damaligen Innenministerin Katrin Lange (SPD) Chancen als Nachfolgerin nachgesagt. Woidke äußerte Bedauern über ihren Rücktritt: „Katrin Lange ist eine sehr gute Landtagsabgeordnete.“ Auf die Frage nach einer möglichen Perspektive für sie ergänzte er: „Wenn es Bedarf gibt und es passt, dann hätte Katrin Lange genauso wie viele andere Sozialdemokraten auch eine Chance, wieder eine andere Tätigkeit auszuüben, auch innerhalb der Landesregierung.“
Schwarz-rote Koalition in Planung
Der SPD-Regierungschef befindet sich nach dem Bruch der SPD/BSW-Koalition mitten in Koalitionsverhandlungen mit der CDU. Woidke setzt dabei auf eine stärkere Wirtschaftsorientierung. „Wir wollen, dass das Land Brandenburg für wirtschaftliches Wachstum steht“, erklärte er dem „Nordkurier“. „Gerade unsere Region hat beste Chancen, auch in Zukunft eine der erfolgreichsten, wenn nicht sogar die erfolgreichste Region in Deutschland zu werden.“
Beide Parteien stellen dabei zwei Ziele in den Vordergrund: Stabilität und Sicherheit. Mit gut drei Jahren bis zur nächsten Landtagswahl könnte ein Wechsel an der Spitze zwar für Klarheit sorgen, aber möglicherweise auch Unruhe verursachen. Die AfD sieht für sich bereits die Chance, 2029 an die Macht zu kommen.
Politisches Schicksal an SPD-Erfolg geknüpft
Woidke hatte im Wahlkampf 2024 sein politisches Schicksal im Amt an einen Sieg seiner SPD geknüpft, die nach einer bemerkenswerten Aufholjagd tatsächlich gewann. Diese Verknüpfung unterstreicht die enge Verbindung zwischen Woidkes persönlicher politischer Zukunft und dem Erfolg seiner Partei in Brandenburg.
Die aktuelle Situation in Brandenburg zeigt Parallelen zu anderen Bundesländern. In Sachsen-Anhalt hat der frühere CDU-Regierungschef Reiner Haseloff gerade den Weg für Sven Schulze freigemacht, um ihm bessere Chancen bei der Landtagswahl im September zu ermöglichen. In Brandenburg hatte Woidke im vergangenen Herbst betont, er habe den Menschen versprochen, diese Legislaturperiode voll zur Verfügung zu stehen – ein Versprechen, das er halten will.
Mit seiner offenen Haltung gegenüber einer möglichen weiteren Amtszeit nach 2029 positioniert sich Woidke als erfahrener Politiker, der seine Zukunft flexibel gestalten will, während er gleichzeitig die aktuellen Regierungsgeschäfte und Koalitionsverhandlungen vorantreibt.



