Im Ringen um die Zukunft des Bohai-Werks in Harzgerode richtet sich der Blick auf Dienstag: Dann will Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) in der Staatskanzlei mit Vertretern von Volkswagen über den bedrohten Standort sprechen. Das kündigte Harzgerodes Bürgermeister Marcus Weise (CDU) in der neuen Folge des Politikpodcasts „2,1 Millionen“ von Mitteldeutscher Zeitung und Volksstimme an.
Auslöser der Krise: VW kündigt Auftragsstopp an
Auslöser der Krise ist die kurzfristige Ankündigung von VW, ab August keine Aufträge mehr nach Harzgerode zu vergeben. Das Aluminiumwerk produziert unter anderem Bauteile für die Autoindustrie. Große Teile des Geschäfts von Bohai hängen an Volkswagen und weiteren Konzernmarken wie Porsche oder Audi.
Massive Folgen für die Region
Für die Region hätte das massive Folgen. „Das wäre der Todesstoß für die Region“, sagte Betriebsrätin Anika Jablonski im Podcast. Rund 1.000 Menschen arbeiten direkt im Werk, hinzu kommen Beschäftigte bei Zulieferern und Partnerfirmen im Industriepark. Bürgermeister Weise sprach von einer „riesengroßen Katastrophe“, sollte das Werk schließen. Das Unternehmen präge Harzgerode seit Generationen. Viele Familien lebten direkt oder indirekt von den Arbeitsplätzen. „Die Konsequenzen sind kaum auszudenken“, sagte Weise. Nach seinen Angaben hat die Stadt in den vergangenen Jahren Millionen in den Industriepark investiert.
Hoffnung auf das Spitzengespräch in Magdeburg
Die Hoffnung liegt nun auf dem Gespräch in Magdeburg. Schulze habe sich der Sache sofort angenommen, sagte Weise. Dass VW überhaupt zu dem Treffen komme, sei „nicht selbstverständlich“. Eine geplante Gläubigerversammlung zur möglichen Ausproduktion des Werkes sei zunächst verschoben worden.
Wie groß die Verunsicherung in der Belegschaft ist, schilderte Schichtleiter Marcel Held. Ehemalige Kollegen hätten ihn angerufen und „geweint, weil sie so enttäuscht sind“. Held hat gemeinsam mit seiner Frau einen Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz und Ministerpräsident Schulze geschrieben. Darin fordert er Unterstützung für den Erhalt des Standorts.
„2,1 Millionen – Der Politikpodcast für Sachsen-Anhalt“ kann man überall dort hören, wo es Podcast gibt.



