Wolfgang Grupp: „Wenn ich auf Politik warte, bin ich pleite“
Grupp: „Wenn ich auf Politik warte, bin ich pleite“

Burladingen – Klare Ansage vom Patriarchen: Ex-Trigema-Chef Wolfgang Grupp (84) setzt weiter kompromisslos auf Eigenverantwortung – und rechnet mit der Politik ab. „Wenn ich warten muss, bis die Politik mir den Weg ebnet, dann bin ich längst pleite“, sagte er im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. Für Grupp ist die Linie eindeutig: Unternehmer müssen ihre Probleme selbst lösen – auch in Krisenzeiten.

Konsumflaute und Produktion auf Volllast

Auch sein Unternehmen spüre aktuell die Konsumflaute, der Absatz sei rückläufig. Für Grupp kein Grund, den Kurs zu ändern. Denn er setzt auf eine klare Strategie: Produktion auf Volllast – selbst in schlechten Zeiten. Stillstand kommt für ihn nicht infrage. „Ich sehe nicht ein, dass wir Löhne bezahlen und die Mitarbeiter nicht ausgelastet sind“, so der Unternehmer. Also wird weiter produziert – notfalls auf Lager. Die Logik dahinter: Wenn die Nachfrage zurückkehrt, ist die Ware bereits da. „Dann sind wir in guten Zeiten froh, dass wir auf ein volles Lager zurückgreifen können.“

Grupp fordert neue Unternehmer-Kultur

Gleichzeitig warnt Grupp vor einem klassischen Fehler vieler Unternehmen: Übermut in Boomzeiten. Wer in guten Jahren zu schnell wachse und Kapazitäten aufbaue, die später nicht ausgelastet werden könnten, gerate in der Krise unter Druck. Scharfe Kritik äußert Grupp auch an der Unternehmenskultur in Deutschland. Immer mehr Firmen würden als GmbH gegründet – mit begrenzter Haftung für die Eigentümer. Für ihn ein Problem: „Damit ist eine Insolvenz problemlos für den Unternehmer“ – denn sie haften nicht mit ihrem Privatvermögen. Wer dagegen voll hafte, entscheide vorsichtiger und verantwortungsvoller. Seine Forderung: steuerliche Entlastung für Unternehmer, die persönlich haften.

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Neuer Mut nach der Krise

Hinter den klaren Worten steht ein Mann, der selbst schwere Zeiten durchlebt hat. Nach der Übergabe des Unternehmens an seine Kinder fiel Grupp in eine tiefe Krise. 2025 versuchte er, sich das Leben zu nehmen, sprach später offen über Altersdepression und das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden. Inzwischen arbeitet er wieder im Unternehmen mit – mit unverändert klarer Haltung: Verantwortung kann nicht delegiert werden.

Wolfgang Grupp hat seine Textilfirma Trigema zum 1. Januar 2024 an seine Kinder Wolfgang Junior und Bonita übergeben.

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