Jürgen Habermas im Alter von 96 Jahren gestorben
Jürgen Habermas im Alter von 96 Jahren gestorben

Der Philosoph und Soziologe Jürgen Habermas ist tot. Er starb im Alter von 96 Jahren in Starnberg. Habermas galt als einer der einflussreichsten und bedeutendsten Denker Deutschlands.

Habermas war ein engagierter Zeitkritiker und intervenierender Denker. Er bezog bis ins hohe Alter Stellung zu zentralen gesellschaftlichen Debatten, etwa zur Verfassung Europas oder zum NSA-Überwachungsskandal. 2013 mahnte er anlässlich der Verleihung des Kasseler Bürgerpreises, dass in einem demokratischen Rechtsstaat die Arbeit der Geheimdienste transparent gemacht werden müsse.

1956 wurde Habermas Assistent von Theodor W. Adorno am Institut für Sozialforschung in Frankfurt am Main. Er wurde zum Vordenker der Studentenbewegung, lehnte jedoch deren Gewaltbereitschaft ab und sprach von Linksfaschismus, was zum Bruch führte. Seine Themen reichten von der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit bis zu den Folgen der Technologisierung.

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Habermas veröffentlichte über 50 Bücher, die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden. Im Oktober 2001 erhielt er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. In seiner Rede thematisierte er die Terroranschläge des 11. September und betonte, dass der Krieg gegen den Terrorismus kein Krieg sei und die Welten jenseits der stummen Gewalt eine gemeinsame Sprache entwickeln müssten.

Weitere Auszeichnungen folgten, darunter der Heinepreis seiner Geburtsstadt Düsseldorf. 2025 wehrte sich Habermas gegen die Vereinnahmung durch Google, das ein KI-Tool zur Konfliktklärung „Habermas-Maschine“ nennen wollte. Er lehnte ab mit der Begründung, menschliche Konfliktlösung könne man nicht an eine Maschine delegieren.

Habermas' Grundgedanke war, dass Sprache die Grundlage von allem sei. In seiner Habilitationsschrift „Strukturwandel der Öffentlichkeit“ bezog er sich auf Heine. Für ihn war Streitkultur Teil einer lebendigen Demokratie.

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