Fast viereinhalb Jahre nach dem Ende ihrer Amtszeit fehlt Angela Merkels Porträt noch immer in der Kanzlergalerie. Der Platz neben Gerhard Schröder ist weiterhin leer. Auch ein Bild von Olaf Scholz, der seit Dezember 2021 im Amt ist, wurde bisher nicht aufgehängt. Das berichtet der Spiegel unter Berufung auf interne Quellen.
Tradition der Kanzlerporträts
Seit 1976 werden im Bundeskanzleramt Porträts der ehemaligen Regierungschefs ausgestellt. Die Gemälde werden in der Regel einige Jahre nach dem Ausscheiden aus dem Amt angefertigt und in einer feierlichen Zeremonie enthüllt. Gerhard Schröder erhielt sein Porträt von Künstler Jörg Immendorff im Juli 2007, rund zwei Jahre nach seinem Abschied. Bei Merkel hingegen verzögert sich die Fertigstellung.
Gründe für die Verzögerung
Laut Spiegel soll Merkel selbst gebeten haben, mit dem Porträt zu warten. „Ich brauche da Abstand“, wird sie zitiert. Offenbar möchte sie nicht, dass ihr Bild zu schnell nach ihrer Amtszeit in der Galerie hängt. Zudem sei die Auswahl eines Künstlers schwierig, da Merkel keine öffentliche Präferenz geäußert habe.
Auch bei Olaf Scholz ist unklar, wann sein Porträt fertiggestellt wird. Üblicherweise wird das Gemälde erst nach dem Ende der Amtszeit in Auftrag gegeben. Da Scholz noch im Amt ist, könnte es noch Jahre dauern, bis sein Bild in der Galerie hängt.
Bedeutung der Galerie
Die Kanzlergalerie im Bundeskanzleramt ist ein wichtiger Ort der politischen Erinnerungskultur. Sie zeigt die Kontinuität der deutschen Regierungsgeschichte. Bisher sind dort Konrad Adenauer, Ludwig Erhard, Kurt Georg Kiesinger, Willy Brandt, Helmut Schmidt und Helmut Kohl zu sehen. Schröder hängt seit 2007. Merkel wäre die erste Frau in der Reihe.
Bis dahin bleibt der Platz neben Schröder frei – ein stilles Symbol für die noch nicht abgeschlossene Aufarbeitung der Merkel-Ära.



