Mehr als 35 Jahre nach der Deutschen Einheit klafft die Lohnschere zwischen Ost und West wieder stärker auseinander. Aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen ein ernüchterndes Bild: Vollzeitbeschäftigte in den neuen Bundesländern verdienen weiterhin deutlich weniger als ihre Kollegen im Westen.
Durchschnittsgehälter im Vergleich
Laut den Daten, die das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) zum Tag der Arbeit abgefragt hat, lag das durchschnittliche Bruttojahreseinkommen von Vollzeitbeschäftigten in Mecklenburg-Vorpommern im vergangenen Jahr bei 52.383 Euro. Im früheren Bundesgebiet waren es dagegen 66.171 Euro – ein Unterschied von 13.788 Euro. Im Jahr 2024 betrug die Lücke noch 13.946 Euro, 2023 lag sie bei 12.740 Euro. Damit hat sich der Abstand im Vergleich zum Vorjahr leicht verringert, bleibt aber auf hohem Niveau.
Schlusslicht wechselt
Mecklenburg-Vorpommern konnte im Ranking der Bundesländer die rote Laterne abgeben. Neues Schlusslicht ist nun Sachsen-Anhalt mit einem Durchschnittsgehalt von 51.937 Euro. Spitzenreiter bleibt Baden-Württemberg mit 68.612 Euro. Die Unterschiede zwischen Ost und West sind also nach wie vor eklatant.
BSW kritisiert Politik
Peter Schabbel, Spitzenkandidat des BSW für die Landtagswahl 2026 in Mecklenburg-Vorpommern, übt scharfe Kritik an der Landesregierung: „Wir sind Lichtjahre von der Lohneinheit entfernt. Fast 14.000 Euro brutto im Jahr weniger in MV als im Westen sind ein Eklat.“ Er fordert eine Politik, die sich stärker für die Interessen der Ostdeutschen einsetzt. „Solange eine solche Lohnlücke klafft, bleibt die Deutsche Einheit unvollendet. Die Beschäftigten haben das Recht auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit“, so Schabbel.
Ministerpräsidentin Manuela Schwesig hatte zuvor beim 1.-Mai-Auftritt in Rostock auf das überdurchschnittliche Wirtschaftswachstum Mecklenburg-Vorpommerns in den letzten fünf Jahren verwiesen. Die neuen Lohnzahlen zeigen jedoch, dass von einer Angleichung noch keine Rede sein kann.



