Angela Merkel äußert sich zu Rückkehrgerüchten und reflektiert ihre Kanzlerschaft
In ihrem ersten Interview des Jahres hat sich die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel ausführlich zu Gerüchten über eine mögliche Rückkehr in ein Spitzenamt geäußert. Die langjährige Regierungschefin sprach im ARD-Podcast „Freiheit Deluxe“ mit Jagoda Marinić über ihre politische Vergangenheit, aktuelle Entwicklungen und persönliche Einschätzungen.
Klare Absage an politische Rückkehr
Angela Merkel machte unmissverständlich klar, dass ihre aktive politische Karriere beendet ist. Auf die Frage nach einer möglichen Rückkehr in die Politik – etwa in das Amt der Bundespräsidentin – antwortete sie entschieden: „Meine politische Zeit war.“ Stattdessen genieße sie mittlerweile ihre Rolle als Zuschauerin des politischen Geschehens.
Die Ex-Kanzlerin betonte jedoch weiterhin ihre Verbundenheit mit der CDU. Trotz gewisser Meinungsverschiedenheiten mit der aktuellen Parteiführung bleibe die Christlich Demokratische Union ihre politische Heimat. „Ich finde, dass die Demokratie insgesamt so unter Druck ist, dass es wichtig sein kann zu zeigen, dass trotz mancher Unterschiede bleibt das, was meine politische Zugehörigkeit ist, der Ort, wo ich als Gast gerne hingehe“, erklärte Merkel.
Reflexion über die Amtszeit als Bundeskanzlerin
Im ausführlichen Gespräch reflektierte Merkel ihre sechzehnjährige Kanzlerschaft und ging dabei sowohl auf Erfolge als auch auf Versäumnisse ein. Insgesamt versuche sie, nicht über „Entscheidungen von gestern zu jammern und fröhlich damit zu sein und nicht dauernd mit mir zu hadern.“
Besonders deutlich verteidigte sie ihren Kurs in der Flüchtlingspolitik des Jahres 2015: „Wenn ich anders entschieden hätte, würde ich mich nicht gut fühlen.“ Diese Position halte sie auch heute noch uneingeschränkt aufrecht.
Eingeständnisse und Selbstkritik
Gleichzeitig räumte die ehemalige Regierungschefin auch eigene Versäumnisse ein. „Was mir wirklich nicht gut gelungen ist, ist ausreichend für den Klimaschutz zu machen“, gestand Merkel im Interview. Sie verwies dabei auf Gespräche mit Klimaaktivistinnen wie Greta Thunberg und Luisa Neubauer, die ihr stets gesagt hätten, sie könne bei entsprechendem Willen deutlich mehr erreichen.
Merkel zeigte sich selbstkritisch: „Ich persönlich finde zwar, dass ich auf meine Art auch beim Umweltschutz sehr vielen Menschen Kompromissfähigkeit abverlangt habe. Aber ich muss damit leben, dass ein Anderer sagt: Wenn du mal auf den Tisch gehauen hättest, vielleicht hättest du dann mehr rausgekriegt.“
Positionierung zur aktuellen politischen Lage
Das Interview, das Merkels erstes öffentliches Gespräch im Jahr 2026 darstellte, behandelte auch das aktuelle politische Umfeld. Die Ex-Kanzlerin äußerte sich zum entscheidenden Wahljahr 2026 und zur gegenwärtigen Weltlage. Zudem reflektierte sie über ihre Anfänge als Frau in der Politik und die besonderen Herausforderungen dieser Position.
Ihr jüngster Auftritt beim CDU-Parteitag hatte zuvor für Aufmerksamkeit gesorgt. Merkel erklärte dazu, es sei die passende Stunde gewesen, um zu zeigen „Wo komm ich her, wo gehöre ich hin“. Allerdings schränkte sie ein: „Das heißt aber nicht, dass ich jetzt zu jedem Parteitag gehe.“
Die ehemalige Bundeskanzlerin betonte abschließend ihre Überzeugung, dass in Zeiten, in denen die Demokratie unter Druck stehe, die Demonstration politischer Zugehörigkeit und Kontinuität besonders wichtig sei.



