Pistorius: US-Truppenabzug war absehbar – Nato muss europäischer werden
Pistorius: US-Truppenabzug war absehbar

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat nach der Ankündigung des Abzugs von 5000 US-Soldaten aus Deutschland die Bedeutung der amerikanischen Truppenpräsenz hervorgehoben. „Die Präsenz amerikanischer Soldaten in Europa und besonders in Deutschland ist in unserem Interesse und im Interesse der USA“, sagte Pistorius der Nachrichtenagentur dpa. Gleichzeitig machte er deutlich, dass die Entscheidung nicht überraschend komme. Dass die USA Truppen aus Europa und auch aus Deutschland abziehen würden, „war absehbar“, so der Politiker.

Pistorius betont enge Zusammenarbeit

„Mit den Amerikanern arbeiten wir eng zusammen, in Ramstein, in Grafenwöhr, in Frankfurt und anderswo, für Frieden und Sicherheit in Europa, für die Ukraine und zur gemeinsamen Abschreckung“, sagte Pistorius. Der geplante Abzug umfasst laut Nachrichtenagentur Reuters und der „New York Times“ auch die Entscheidung, ein Fernraketen-Bataillon doch nicht mehr nach Deutschland zu verlegen. Die Biden-Regierung hatte die Verlegung für dieses Jahr vorgesehen. Die Maßnahmen werden die US-Streitkräfte in Europa auf den Stand von 2022 zurückführen – also auf die Truppenstärke vor Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine, sagten Beamte der „New York Times“.

Deutschland bleibt wichtiger US-Stützpunkt

Selbst nach dem Abzug von 5000 Soldaten wäre Deutschland mit mehr als 30.000 stationierten US-Soldaten weiterhin der zweitgrößte amerikanische Truppenstützpunkt weltweit – nur übertroffen von Japan. Verteidigungsbeamte erklären, dass die Vereinigten Staaten auf ihre Stützpunkte in Deutschland angewiesen sind, um viele ihrer Operationen im Nahen Osten, in Europa und in Afrika durchzuführen.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Pistorius: Nato muss europäischer werden

Klar sei, dass die Nato europäischer werden müsse, um transatlantisch bleiben zu können, sagte Pistorius. „Wir Europäer müssen mehr Verantwortung für unsere Sicherheit übernehmen.“ Deutschland sei dabei auf einem guten Weg. Die Bundeswehr werde größer. Material werde schneller beschafft und Infrastruktur geschaffen.

Abzug innerhalb von sechs bis zwölf Monaten

Die Soldaten sollen innerhalb der nächsten sechs bis zwölf Monate verlegt werden. Der Schritt markiert eine Verschlechterung der deutsch-amerikanischen Beziehungen und könnte spürbare Folgen für die betroffenen Regionen haben. Ausgangspunkt war offenbar die scharfe Kritik von Friedrich Merz am Vorgehen der USA im Irankrieg. Nun steht die Frage im Raum, ob auch das Beistandsversprechen der USA in der Nato erodieren könnte. Die Frage nach der Sicherheit ist auch davon abhängig, welche Truppen aus Deutschland abgezogen werden sollen. Details dazu waren zunächst nicht bekannt.

Bedeutende US-Standorte in Deutschland

Zu den militärisch bedeutsamsten Standorten gehört die Ramstein Air Base in Rheinland-Pfalz. Für die USA ist sie die zentrale Luftdrehscheibe für Europa und den Nahen Osten. Das größte US-Militärkrankenhaus im Ausland befindet sich im rheinland-pfälzischen Landstuhl. US-Soldaten, die in Auslandseinsätzen verwundet werden, müssen für eine schnelle und hochwertige Behandlung also nicht den weiten Weg bis in die USA gebracht werden. Der größte US-Truppenübungsplatz außerhalb der USA liegt nahe Grafenwöhr in Bayern. In Stuttgart befinden sich zudem die Hauptquartiere des Europa-Kommandos (Eucom) und des Afrika-Kommandos (Africom) der US-Streitkräfte, in Wiesbaden die Zentrale des US-Heeres in Europa.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration