Deniz Aytekin kennt jeder, der regelmäßig Fußball schaut. Doch bald wird der bekannte Schiedsrichter nicht mehr auf dem Platz stehen. Nach fast 18 Jahren in der Bundesliga pfeift er am kommenden Samstag sein letztes Spiel. Es ist sein 254. Einsatz im Oberhaus. Aytekin blickt auf eine bewegte Karriere zurück.
Anfänge beim TSV Altenberg
Aytekin sitzt in der umgebauten Schiedsrichter-Kabine des TSV Altenberg, wo alles begann. Im März 1995 leitete er als 17-Jähriger sein erstes Spiel: Altenberg gegen Cadolzburg, B-Jugend. „Ich war völlig planlos“, erinnert er sich. Am Samstag endet diese Reise. Der Franke hat sich vom einstigen „schlechtesten Referee“ (2011 von Profis gewählt) zum beliebtesten und vielleicht besten Schiedsrichter der Liga entwickelt.
Abschiedstour mit Wehmut
Seinen Abschied hatte Aytekin bereits im vergangenen Jahr angekündigt. „Da fiel es mir leicht, aber jetzt wird es schwerer. Überall, wo man hinkommt, ist es das letzte Mal“, sagt der 47-Jährige. Besonders die Begegnungen mit den Fans werden ihm fehlen. „Ich habe Leute persönlich begrüßt, weil ich sie dort schon immer sehe.“
Ein besonderer Stil
Aytekin entwickelte einen eigenen Stil: souverän, lässig, stets im Gespräch mit den Spielern. 2020 wählten ihn die Profis im „Kicker“ erstmals zum besten Schiri. Der DFB zeichnete ihn 2019, 2022 und 2024 als Top-Referee aus. Auch 54 Europacup-Spiele leitete er. DFB-Schiri-Chef Knut Kircher lobt: „Seine Akzeptanz und Wertschätzung sind außergewöhnlich.“
Zukunft ohne Hauptamt
Ob Aytekin dem DFB verbunden bleibt, ist offen. Hauptamtlich nicht, denn der Diplom-Betriebswirt und Vater von zwei Kindern ist selbstständiger Unternehmer. Er hält Vorträge über Entscheidungen unter Druck – eine Parallele zum Fußball. „Man gibt sich komplett auf. Work-Life-Balance gibt es nicht, eher Work-Work-Balance“, sagt er.
Umgang mit Kritik
Mit Kritik kann Aytekin leben. „Die Menschen vergessen, dass der Fußball schneller geworden ist.“ Die Zusammenarbeit mit dem Videoassistenten sei verbesserungswürdig, aber solange Menschen entscheiden, gebe es Grauzonen. Hasskommentare liest er kaum. Einmal erschütterte ihn eine Mail eines Chefarztes, den er bei der Klinikleitung meldete. „Im Fußball habe ich gelernt, dass man sich Respekt erarbeiten kann“, resümiert Aytekin.



