Merkel schließt Bundespräsidentschaft aus: Altkanzlerin nennt Spekulationen "abwegig"
Merkel schließt Bundespräsidentschaft aus

Merkel schließt Bundespräsidentschaft kategorisch aus

Altbundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat alle Spekulationen über eine mögliche Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten im kommenden Jahr entschieden zurückgewiesen. "Das ist abwegig", antwortete eine Sprecherin aus dem Büro der ehemaligen Regierungschefin dem Tagesspiegel auf entsprechende Anfragen. Damit stellt sich die 71-Jährige klar gegen Gerüchte, die in politischen Kreisen kursierten.

Besorgnis in der CDU-Spitze über grüne Vorschläge

Die "Bild"-Zeitung hatte zuvor berichtet, in der CDU-Spitze gebe es die Sorge, dass die Grünen der Union Angela Merkel als Bundespräsidentin vorschlagen könnten. Besonders im Umfeld von CDU-Chef Friedrich Merz soll diese Befürchtung verbreitet sein. Als möglicher Initiator eines solchen Vorschlags wurde Baden-Württembergs Spitzenkandidat Cem Özdemir genannt.

Das Verhältnis zwischen dem aktuellen CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz und seiner Vorgängerin im Kanzleramt gilt als belastet bis zerrüttet. Merkel hingegen genießt nach wie vor breite Sympathien in der Bevölkerung, insbesondere im linken politischen Lager, das mit Merz wenig anfangen kann und auch mit dem amtierenden Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) unzufrieden ist.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Historischer Präzedenzfall würde gebrochen

Bisher hat noch kein Bundeskanzler nach seiner Amtszeit das Amt des Bundespräsidenten übernommen. Die Bundesversammlung wird Anfang 2027 über die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier entscheiden, dessen zweite Amtszeit im März 2027 endet. Steinmeier darf nicht erneut kandidieren.

Die Union wird voraussichtlich die größte Fraktion in der Bundesversammlung stellen und beansprucht daher das Vorschlagsrecht. Ein konkurrierender Vorschlag der Koalitionspartner SPD wäre schwer vorstellbar und könnte das schwarz-rote Bündnis in eine ernste Krise stürzen.

Merkel genießt das Leben nach der Politik

Bei öffentlichen Auftritten hat Merkel zuletzt deutlich gemacht, wie sehr sie das Leben "nach dem Amt" schätzt. Beim Neujahrskonzert der Komischen Oper mischte sie sich unauffällig unter die Zuhörer, während selbst erkennende Gäste auf Selfie- oder Autogrammwünsche verzichteten.

Als Bundespräsidentin wäre Merkel wieder in ein straffes Terminkorsett gezwungen, wenn auch weniger fordernd als während ihrer sechzehnjährigen Kanzlerschaft von 2005 bis 2021. Die Popularität der Altkanzlerin zeigte sich zuletzt bei der Vorstellung ihrer Memoiren ("Freiheit"), wo Tausende Menschen zu ihren Auftritten strömten und sie teilweise mit stehenden Ovationen feierten.

Alternative Kandidatinnen im Gespräch

Als mögliche Kandidatinnen für das höchste Staatsamt gelten derzeit:

  • Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU)
  • Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU)
  • Die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU)

Während Klöckner in der SPD wenig Sympathien genießt, können Prien und vor allem Aigner bei den Sozialdemokraten mit mehr Zuspruch rechnen. In der SPD selbst gibt es bisher kaum Bestrebungen, einen eigenen Kandidaten oder eine eigene Kandidatin durchzusetzen.

Immer wieder wird in der politischen Debatte der Ruf nach einem ersten weiblichen Staatsoberhaupt laut. Vielleicht trug der angekündigte Besuch Angela Merkels beim CDU-Bundesparteitag in der kommenden Woche zur Verbreitung der Spekulationen bei, die nun endgültig widerlegt sind.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration