Überraschte Reaktion bei Trauerfeier für Rita Süssmuth
Beim feierlichen Staatsakt zu Ehren der verstorbenen ehemaligen Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth im Deutschen Bundestag sorgte eine Aussage des Journalisten Heribert Prantl für ein besonderes Moment. Während seiner Rede auf der Besuchertribüne saß die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel zwischen Ex-Bundespräsident Wolfgang Thierse und Daniela Schadt, der Lebensgefährtin von Altbundespräsident Joachim Gauck.
Eine steile These und ihre unmittelbare Wirkung
Prantl würdigte in seiner Ansprache die Vorreiterrolle Süssmuths für Frauen innerhalb der CDU und formulierte dabei eine bemerkenswerte These: „Vielleicht hätte es ohne eine Rita Süssmuth eine Kanzlerin Angela Merkel nie gegeben.“ Diese Worte lösten nicht nur Applaus unter den anwesenden Bundestagsabgeordneten aus, sondern führten zu einer sichtlich überraschten Reaktion bei der ehemaligen Regierungschefin.
Merkels Mimik veränderte sich augenblicklich: Sie verzog den Mund, zog die Schultern hoch und hob die Augenbrauen – eine Geste, die Beobachter als Zeichen der Überraschung oder sogar des leichten Unbehagens interpretierten. Anschließend wandte sie sich ihrer Sitznachbarin Daniela Schadt zu, äußerte zwei unverständliche Worte und lächelte schließlich amüsiert.
Zwei unterschiedliche Herangehensweisen an Gleichstellung
In seiner Rede hatte Prantl herausgestellt, dass Süssmuth sowohl als Ministerin als auch als Bundestagspräsidentin mit souveränem Eigensinn versucht habe, ihrer Partei den Feminismus näherzubringen. Während beide Politikerinnen Vertraute innerhalb der CDU waren und die Union nachhaltig prägten, unterschieden sie sich deutlich in ihrer Haltung zur feministischen Identität.
Rita Süssmuth ging das Thema Gleichstellung von Frauen und Männern zeitlebens deutlich offensiver an als ihre Parteikollegin. Sie setzte sich bis ins hohe Alter für Parität ein und mahnte noch 2025 den damaligen Kanzler Friedrich Merz, Ministerposten zu gleichen Teilen mit Frauen und Männern zu besetzen.
Angela Merkel hingegen vermied während ihrer aktiven politischen Karriere bewusst das Label „Feministin“. Erst 2021 revidierte sie ihre Position und bezog sich dabei auf eine Aussage der niederländischen Königin Maxima: „Im Kern geht es darum, dass Männer und Frauen in der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben gleich sind. In diesem Sinne kann ich heute bejahend sagen, dass ich Feministin bin.“
Ein historischer Staatsakt
Rita Süssmuth ist erst die dritte Frau in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, die mit einem Trauerstaatsakt geehrt wird. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte die feierliche Zeremonie angeordnet, an der neben Altkanzlerin Merkel und fast dem gesamten Kabinett auch der ehemalige Bundeskanzler Olaf Scholz sowie der amtierende Kanzler Friedrich Merz teilnahmen.
Die unterschiedlichen Herangehensweisen der beiden CDU-Politikerinnen zum Thema Gleichstellung und Feminismus bleiben ein faszinierendes Kapitel der jüngeren deutschen Politikgeschichte, das durch Prantls Rede und Merkels Reaktion während des Staatsaktes erneut in den Fokus rückte.



