Politischer Aschermittwoch: Warum Demut statt Polemik?
Politischer Aschermittwoch: Demut statt Polemik?

Politischer Aschermittwoch: Tradition der Polemik oder Raum für Demut?

Heute findet der traditionelle Politische Aschermittwoch statt, der besonders bei der CSU als "größter Stammtisch der Welt" zelebriert wird. Markus Söder, der Parteivorsitzende, und Martin Huber, der Generalsekretär, werden am Vormittag in der Passauer Dreiländerhalle die Veranstaltung ihrer Partei eröffnen.

Ein Tag der Umkehr - aber für wen?

Der Aschermittwoch ist eigentlich ein christlicher Tag der Umkehr und Buße. Doch bei Markus Söder wäre bisher keine ausgeprägte Veranlagung zur Bußfertigkeit aufgefallen. Dabei gäbe es durchaus Anlass für ein wenig Demut.

Söder hatte sich in der Oppositionszeit geradezu ehrabschneidend über die Ampelregierung geäußert, mit besonderer Schärfe gegenüber den Grünen. Jetzt aber ist die Union an der Macht, und in ihren ersten Monaten zeigt sich auch für die neue Regierung - der CSU-Leute angehören -, wie mühsam und kompliziert Politik auf Bundesebene tatsächlich ist.

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Einzuräumen, dass er Kritik in der Vergangenheit zu grob formuliert hat, wäre eine feine Geste. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass Söder genau das heute tut, tendiert gegen null. Bei der CSU übt man sich am Politischen Aschermittwoch traditionell in Polemik - gegenüber politischen Gegnern versteht sich.

Königlicher Besuch mit politischer Brisanz

Während in Deutschland politische Reden geschwungen werden, besucht der dänische König Frederik X. Grönland. Die Insel gehört als autonomer Bestandteil zum Königreich Dänemark. Noch vor nicht allzu langer Zeit hätte ein solcher Besuch kaum deutsche Medien erreicht - zu abgelegen schien Grönland, zu wenig glamourös dänische Monarchen.

Doch heute ist das Treffen zwischen Frederik X. und der grönländischen Bevölkerung durchaus nachrichtenwürdig. Bei den Gesprächen soll es um die Drohungen gehen, die US-Präsident Donald Trump gegen Grönland ausgesprochen hat. Trump selbst hält sich inzwischen zwar bei diesem Thema zurück, doch das liegt an der heftigen Gegenwehr der Europäer.

Auf der Münchner Sicherheitskonferenz am Wochenende wurde deutlich: Europa will von den USA unabhängiger werden, möglicherweise sogar bei der nuklearen Verteidigung. Was wie ein märchenhafter Königbesuch klingt, entpuppt sich als Story mit knallhartem realpolitischem Hintergrund.

Zuckerberg vor Gericht: Verantwortung für junge Nutzer?

In Los Angeles wird heute Meta-Chef Mark Zuckerberg als Zeuge vor Gericht erwartet. Eine 20-jährige Klägerin wirft den Technologieunternehmen Meta und Google vor, ihre Angebote absichtlich so zu gestalten, dass Kinder süchtig danach würden.

Das Verfahren gilt als zukunftsweisend, weil hier getestet wird, ob Unternehmen für die psychische Gesundheit ihrer Kundschaft haftbar gemacht werden können. Für Zuckerberg hängt viel davon ab, wie er als Zeuge auftritt. Allzu zynisch dürfen seine Aussagen nicht ausfallen, da er selbst Vater von drei Kindern ist und daran gemessen werden wird.

Dass er jedoch einen Zusammenhang zwischen der Nutzung sozialer Netzwerke und der psychischen Gesundheit junger Menschen einräumen wird, ist unwahrscheinlich. Bereits im Sommer 2024 sagte Zuckerberg in einem Podcast, er habe genug von der ewigen Abbitte.

Fastenzeit beginnt: Gemeinsamkeiten statt Unterschiede

Mit dem heutigen Aschermittwoch beginnt nach christlichem Brauch die Fastenzeit. Fast zeitgleich startet am 18./19. Februar mit dem Erscheinen der Neumond-Sichel der islamische Fastenmonat Ramadan.

Das Fasten ist längst auch zu einem säkularen Brauch geworden, doch die religiöse Bedeutung sollte nicht vergessen werden. Sie unterscheidet sich im Islam und im Christentum in vielerlei Hinsicht, doch es gibt auch bedeutende Gemeinsamkeiten:

  • In beiden Religionen geht es darum, sich durch Verzicht zu besinnen
  • Es wird reflektiert, was im Leben wirklich wichtig ist
  • Die spirituelle Dimension steht im Vordergrund

Ein Gedanke zum Nachdenken: In den vergangenen Jahrhunderten wurden tendenziell die Unterschiede zwischen den Religionen betont und politisch genutzt. Wie wäre es, in Zeiten des allgegenwärtigen Hasses, sich nun eher darauf zu konzentrieren, wo die Ähnlichkeiten liegen? Die religionsübergreifende Fastentradition könnte dafür ein guter Anlass sein.

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Aktuelle Entwicklungen der Nacht

In weiteren Nachrichten befürwortet Kanzler Friedrich Merz ein Social-Media-Verbot für Minderjährige. Auf ihrem Parteitag will die CDU über ein Mindestalter von 16 Jahren für die Nutzung von Instagram, TikTok und Co. beraten. Merz verweist dabei auf "Probleme im Sozialverhalten" von Jugendlichen.

Die britische Polizei untersucht derweil in der Epstein-Affäre Privatflüge am Flughafen Stansted. Der frühere Premier Gordon Brown behauptet, der Flughafen sei Drehkreuz für Jeffrey Epsteins Frauenhandel gewesen - eine Behauptung, die auf jüngst in den USA veröffentlichten Akten basiert.

Das ZDF hat sich im "heute journal" bei Zuschauern entschuldigt. "Dieser Beitrag entsprach nicht unseren hohen Standards", erklärte die stellvertretende ZDF-Chefredakteurin. Hintergrund war ein "Doppelfehler" des Senders.

Der Politische Aschermittwoch steht traditionell für scharfe politische Auseinandersetzungen. Vielleicht wäre jedoch in diesem Jahr etwas mehr Besinnung und weniger Polemik angebracht - nicht nur in der Politik, sondern in unserer gesamten Gesellschaft.