Söder als Ausputzer für Merz: Klare Worte beim CDU-Parteitag in Stuttgart
Nach langwierigen Antragsdebatten betrat CSU-Chef Markus Söder (59) unter rhythmischem Applaus den Messe-Saal in Stuttgart. An seiner Seite: Kanzler Friedrich Merz (71). Der Bayer richtete versöhnliche Worte an den Regierungschef: „Du kannst dich auf uns verlassen. Wir unterstützen dich als Kanzler auch gerne länger, wenn du willst“ – eine Anspielung auf Merz‘ Ankündigung an Aschermittwoch, das Amt noch eine Weile ausfüllen zu wollen.
Lob und scharfe Kritik in einer Rede
Söder lobte die Rede des Kanzlers vom Vortag, die die politische Lage „gut beschrieben“ habe, wohl wissend, dass diese unter CDU-Delegierten als durchwachsen galt. Er bezeichnete Merz als „unseren Trumpf bei Trump“, was Jubel auslöste. Besondere Begeisterung erntete er, als er die gemeinsame Abstimmung von Grünen und AfD im Europaparlament gegen das Mercosur-Freihandelsabkommen geißelte. Die Grünen hätten „keinen moralischen Anspruch, uns zu belehren“.
Doch Söder hielt vor allem die Rede, die Merz aus Rücksicht auf Koalitionspartner wie die SPD nicht zu halten vermochte. Er drehte den Spieß um: Während Merz oft Altbackenheit vorgeworfen wird, seien es die Linken, die der Zeit hinterherhinkten. „Solche Klugscheißer helfen unserem Land nicht“, so Söder.
Klartext bei Migration und Steuern
Während Merz das Thema Migration am Vortag aussparte, brachte Söder klare Worte. Er verteidigte die Kanzler-Kritik am umstrittenen „Stadtbild“, trotz anschließender Krisensitzungen von „Gesprächspsychologen“. Kanzlergattin Charlotte Merz klatschte dazu in der ersten Reihe.
Auch beim SPD-Lieblingsthema Steuererhöhungen sprach Söder unverblümt: „Ich bin nicht bereit, den Linken klein beizugeben, beim Versuch, die Erbschaftssteuer zu erhöhen. Da werden sie sich an uns die Zähne ausbeißen“. Der Saal jubelte entzückt. Damit steckte er den Rahmen ab, in dem die Union der SPD maximal entgegenkommen kann: gar nicht.
Konfrontation mit Brüssel und heimelige Volkspartei
Im Streit um das Verbrenner-Verbot übernahm Söder die Lautsprecher-Funktion, wandte sich gegen „Micky-Maus“-Tricks aus Brüssel und forderte Zulassungen für alle Hightech-Verbrenner. Damit legte er sich mit Kommissionschefin Ursula von der Leyen an, einem CDU-Mitglied.
Söder endete mit einem Hoch auf Gott, Freiheit, Vaterland und die Union – was bei Merz komisch gewirkt hätte, traf bei den Delegierten ins Herz. Merz bedankte sich mit einer StarTrek-Jacke, worauf Söder erwiderte: „Möge die Macht mit Dir sein“. Eine geschickte Arbeitsteilung, die der Union das Gefühl einer heimeligen Volkspartei gab.



