Deutschland-Monitor: Sehnsucht nach Einheitspartei wächst 36 Jahre nach SED-Ende
Sehnsucht nach Einheitspartei wächst nach SED-Ende

Deutschland-Monitor: Sehnsucht nach Einheitspartei wächst 36 Jahre nach SED-Ende

Berlin – Kriege, Inflation und Abstiegsängste prägen die aktuelle Krise in Deutschland. Bei vielen Bürgern wächst die Sehnsucht nach einer starken Einheitspartei und einem Führer, der ohne parlamentarische Kontrolle regieren kann. 36 Jahre nach der Umbenennung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) zeigt sich ein besorgniserregender Trend: Autoritäre Ideen finden wieder zunehmend Anklang in der Bevölkerung.

Jeder Fünfte offen für autoritäre Strukturen

Die Ergebnisse des aktuellen Deutschland-Monitors belegen diese Entwicklung deutlich. Rund 8000 Menschen wurden für die Studie befragt, die von der Ostbeauftragten Elisabeth Kaiser (38, SPD) gefördert wird. Bundesweit ist jeder fünfte Deutsche offen für autoritäre Strukturen. In Ostdeutschland liegt dieser Wert sogar bei mehr als jedem Vierten.

Die Idee einer herrschenden Einheitspartei befürworten bundesweit 31 Prozent der Befragten. Im Osten stimmen bereits 35 Prozent der Aussage zu, Deutschland brauche „eine einzige starke Partei, die den Willen des Volkes insgesamt verkörpert“. Eine „starke Führungspersönlichkeit“ ohne jede parlamentarische Kontrolle unterstützt bundesweit mehr als jeder Zehnte (11 Prozent).

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Demokratie in der Theorie akzeptiert, in der Praxis kritisiert

In der Theorie stehen die Deutschen zwar weiter fest zur Demokratie – 98 Prozent bekennen sich zu dieser Staatsform. Doch wenn es um das konkrete Funktionieren der Demokratie geht, zeigen sich deutliche Risse. Nur 60 Prozent bundesweit sind mit der aktuellen demokratischen Praxis zufrieden, in Ostdeutschland sogar nur jeder Zweite.

71 Prozent der Befragten sehen insgesamt eine negative Entwicklung der Demokratie in Deutschland. Als Hauptgründe für autoritäre Einstellungen nennt der Monitor:

  • Das Gefühl eines gesellschaftlichen Kontrollverlusts
  • Eine schlechte Bewertung der Wirtschaftslage
  • Die Sorge vor sozialem Abstieg

Entscheidungsprozesse als Problemfaktor

Prof. Everhard Holtmann (79), einer der Autoren der Studie, erklärt die Sehnsucht nach einer neuen Einheitspartei mit dem Gefühl vieler Menschen, dass politische Entscheidungen oft zu langwierig und nicht eindeutig sind. Bei vielen führe das zu dem Eindruck, die Politik sei derzeit nur bedingt handlungsfähig.

Zudem verblasse die unmittelbare persönliche Erinnerung an Parteien wie die SED. Holtmann betont jedoch: „Ich bin nicht pessimistisch, dass sich das in Richtung einer wachsenden Distanz zur parlamentarischen Demokratie entwickelt.“ Er verweist darauf, dass sich nur zwei Prozent der Befragten als echte Antidemokraten einordnen lassen.

Diktatur wird mehrheitlich abgelehnt

Trotz der wachsenden Offenheit für autoritäre Strukturen lehnt die überwältigende Mehrheit der Deutschen eine Diktatur weiterhin strikt ab. Der Aussage „Unter bestimmten Umständen ist eine Diktatur die bessere Staatsform“ stimmen nur vier Prozent zu. 89 Prozent lehnen eine Diktatur entschieden ab, und 68 Prozent sehen eine starke Führungspersönlichkeit ohne parlamentarische Kontrolle kritisch.

Die Studie zeigt damit ein ambivalentes Bild: Während die grundsätzliche Zustimmung zur Demokratie hoch bleibt, wächst die Unzufriedenheit mit ihrer konkreten Umsetzung – und damit die Anfälligkeit für autoritäre Alternativen.

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