Trauerstaatsakt für Rita Süssmuth: Politisches Berlin nimmt Abschied von prägender Figur
Trauerstaatsakt für Rita Süssmuth: Abschied von prägender Figur

Trauerstaatsakt im Bundestag: Würdigung einer politischen Wegbereiterin

Mit einem feierlichen Trauerstaatsakt haben die Spitzen des deutschen Staates am Dienstag im Bundestag Abschied von Rita Süssmuth genommen. Die frühere Bundestagspräsidentin und Bundesministerin war Anfang Februar im Alter von 88 Jahren verstorben und wurde bereits in ihrer Heimatstadt Neuss in Nordrhein-Westfalen beigesetzt. Der von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier angeordnete Staatsakt brachte das politische Berlin zusammen, um die bedeutende Politikerin zu würdigen.

Klöckner würdigt Süssmuth als gesellschaftliche Vordenkerin

Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) würdigte ihre verstorbene Vorgängerin als prägende politische Figur Deutschlands, die gesellschaftliche Debatten maßgeblich bestimmt habe. „Rita Süssmuth war eine Politikerin, die gesellschaftliche Fragen früher erkannte als andere“, sagte Klöckner in ihrer bewegenden Ansprache. „Sie wartete nicht, bis Debatten bequem wurden. Sie scheute keine Tabus – auch dann nicht, wenn der Gegenwind auch mal aus den eigenen Reihen kam.“

Die aktuelle Bundestagspräsidentin betonte besonders Süssmuths mutigen Kampf gegen die Aids-Krise in den 1980er Jahren. Sie habe sich entschieden gegen moralische Ausgrenzung und Verurteilung der Betroffenen gestemmt und der damals verbreiteten Vorstellung widersprochen, die Krankheit sei eine göttliche Strafe. „Nicht den Betroffenen sagte sie den Kampf an, sondern der Krankheit“, erinnerte Klöckner an die wegweisende Haltung der Verstorbenen.

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Eine bemerkenswerte politische Karriere

Rita Süssmuth gehörte dem Deutschen Bundestag von 1987 bis 2002 an und bekleidete von 1988 bis 1998 das Amt der Bundestagspräsidentin. Bereits von 1985 bis 1988 hatte sie unter Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) das Bundesministerium für Jugend, Familie und Gesundheit geleitet. Als Professorin für Erziehungswissenschaften war sie als Seiteneinsteigerin in die Politik gekommen – eine ungewöhnliche Karriere, die ihren besonderen Blick auf gesellschaftliche Fragen prägte.

Als Kohl sie 1985 als Nachfolgerin von Heiner Geißler (CDU) zur Ministerin berief, war Süssmuth in der breiten Öffentlichkeit noch weitgehend unbekannt. Doch sie entwickelte sich rasch zu einer populären und respektierten Politikerin, deren modernes Familien- und Frauenbild vielen in ihrer eigenen Partei weit voraus war. Diese fortschrittliche Haltung führte immer wieder zu Kontroversen innerhalb der CDU, doch Süssmuth blieb ihren Überzeugungen treu.

Neudefinition des Parlamentsamtes

Klöckner hob in ihrer Würdigung besonders hervor, dass Süssmuth als Bundestagspräsidentin die Möglichkeiten ihres Amtes neu definiert habe. „Rita Süssmuth hat unser Parlament als moralische Institution gestärkt“, betonte die aktuelle Amtsinhaberin. Durch ihre klare Haltung in ethischen Fragen und ihren Einsatz für gesellschaftliche Minderheiten habe Süssmuth dem Bundestag eine neue Dimension der Verantwortung verliehen.

Die Trauerfeier im Bundestag markierte den offiziellen Abschluss der öffentlichen Würdigungen für die verstorbene Politikerin. Während die Beisetzung bereits in Neuss stattgefunden hatte, bot der Berliner Staatsakt der politischen Gemeinschaft die Gelegenheit, gemeinsam Abschied von einer Frau zu nehmen, die deutsche Politik über Jahrzehnte mitgeprägt hat. Rita Süssmuth hinterlässt ein Erbe, das über Parteigrenzen hinweg Anerkennung findet und in die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland eingehen wird.

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