Berlin gedenkt Rita Süssmuth mit feierlichem Trauerstaatsakt
Die Fahnen in der deutschen Hauptstadt hängen auf Halbmast: Die Bundesrepublik Deutschland hat am Montag mit einem würdevollen Trauerstaatsakt Abschied von der früheren Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth genommen, die im Alter von 88 Jahren verstorben ist. Das Gedenken begann am Vormittag mit einem bewegenden Gottesdienst in der historischen Berliner St.-Hedwigs-Kathedrale, wo sich die politische Elite des Landes versammelte.
Prominente Trauergäste in der ersten Reihe
Schulter an Schulter in der ersten Reihe der Kathedrale saßen die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel (71, CDU) und der ehemalige Bundeskanzler Olaf Scholz (67, SPD). Beide zeigten sich sichtlich bewegt von der Trauerfeier für die verdiente Politikerin, die von 1987 bis 2002 dem Deutschen Bundestag angehörte und zehn Jahre lang als Präsidentin an der Spitze des Parlaments stand.
Im Anschluss an den Gottesdienst fand am Mittag eine feierliche Gedenkstunde im Bundestag statt, wo sich die höchsten Vertreter des Staates versammelten. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (53, CDU) und Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) hielten bewegende Ansprachen, in denen sie das Lebenswerk der Verstorbenen würdigten.
Persönliche Worte und ein besonderes Vermächtnis
Auf ausdrücklichen Wunsch von Rita Süssmuth trat auch der renommierte Autor und Journalist Heribert Prantl (72) ans Rednerpult. In der rund 90-minütigen Gedenkveranstaltung erinnerten alle Redner an die außergewöhnliche Persönlichkeit der Verstorbenen, die trotz höchster politischer Ämter stets „ganz unprätentiös und nahbar“ geblieben sei.
Prälat Dr. Karl Jüsten betonte in seiner Predigt Süssmuths tiefen christlichen Glauben, der ihre politische Arbeit grundlegend geprägt habe. „Die Liebe war für sie das entscheidende Prinzip – sowohl für die Politik als auch für das persönliche Handeln“, so Jüsten. Ihre außergewöhnliche Menschenfreundlichkeit, ihre unermüdliche Energie und ihre große soziale Kompetenz wurden von allen Anwesenden gewürdigt.
Ein Leben im Dienst der Demokratie
Rita Süssmuth, die als Professorin für Erziehungswissenschaften als Seiteneinsteigerin in die Politik gekommen war, setzte sich zeitlebens unbeirrt für zentrale gesellschaftliche Anliegen ein:
- Der Kampf gegen HIV und Aids gehörte zu ihren frühen Engagementfeldern
- Sie war eine unermüdliche Kämpferin für die Rechte von Migranten und Geflüchteten
- Der Einsatz gegen Antisemitismus und Rassismus prägte ihre politische Arbeit
- Gleichberechtigung und Parität in den Parlamenten waren ihr ein besonderes Herzensanliegen
Bei einer ihrer letzten öffentlichen Auftritte hatte Süssmuth noch eindringlich gemahnt: „Wir, und die Kirche besonders, müssen für die Demokratie kämpfen!“ Dieses Vermächtnis bleibt aktueller denn je und wurde während der Gedenkfeierlichkeiten mehrfach zitiert.
Historische Bedeutung der Ehrung
Rita Süssmuth ist erst die dritte Frau in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, die mit einem Trauerstaatsakt geehrt wird – eine besondere Anerkennung für ihre Verdienste um den deutschen Staat und die Demokratie. Bereits beigesetzt wurde sie in ihrer Heimatstadt Neuss, wo sie ihre Wurzeln hatte.
Im Bundestag lag während der Gedenkfeier ein Kondolenzbuch bereit, in das sich zahlreiche Wegbegleiter und politische Weggefährten eintragen konnten. Die feierliche Atmosphäre in der Berliner St.-Hedwigs-Kathedrale und im Plenarsaal des Bundestages unterstrich die tiefe Wertschätzung, die der verstorbenen Politikerin entgegengebracht wird.
Die Gedenkfeierlichkeiten markieren das Ende einer Ära und erinnern an eine Politikerin, die mit ihrem Charisma, ihrer Überzeugungskraft und ihrem unermüdlichen Einsatz für demokratische Werte die deutsche Politik nachhaltig geprägt hat. Ihr Vermächtnis bleibt in den politischen Debatten der Gegenwart und Zukunft lebendig.



