Trauerstaatsakt für Rita Süssmuth: Politik würdigt „Ausnahmepolitikerin“
Trauerstaatsakt für Rita Süssmuth: Politik würdigt Ausnahmepolitikerin

Trauerstaatsakt im Bundestag: Politik verabschiedet sich von Rita Süssmuth

Mit einem feierlichen Trauerstaatsakt im Deutschen Bundestag hat die politische Elite Deutschlands Abschied von der verstorbenen CDU-Spitzenpolitikerin Rita Süssmuth genommen. Die frühere Bundestagspräsidentin und Bundesministerin war im Alter von 88 Jahren verstorben. Bundeskanzler Friedrich Merz würdigte die Verstorbene als „Ausnahmepolitikerin“, die das Gesicht der Bundesrepublik nachhaltig geprägt habe.

Würdigung durch höchste Staatsämter

Dem Staatsakt im Plenarsaal des Bundestages war ein ökumenischer Gottesdienst in der Sankt-Hedwigs-Kathedrale in Berlin-Mitte vorausgegangen. An beiden Veranstaltungen nahmen die Spitzen aller fünf Verfassungsorgane teil:

  • Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier
  • Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU)
  • Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU)
  • Bundesratspräsident Andreas Bovenschulte (SPD)
  • Präsident des Bundesverfassungsgerichts Stephan Harbarth

Bundestagspräsidentin Klöckner stellte Süssmuth in die Reihe der „großen Frauen der deutschen Demokratiegeschichte“ und betonte ihre Fähigkeit, gesellschaftliche Fragen früher zu erkennen als andere politische Akteure.

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Lebenswerk einer politischen Pionierin

Rita Süssmuth gehörte dem Deutschen Bundestag von 1987 bis 2002 an und amtierte von 1988 bis 1998 als dessen Präsidentin. Als Professorin für Erziehungswissenschaften war sie als Seiteneinsteigerin in die Politik gekommen. Ihre politische Karriere begann 1985, als Bundeskanzler Helmut Kohl sie zur Ministerin für Jugend, Familie und Gesundheit berief – ein Amt, das sie innerhalb eines Jahres um die Zuständigkeit für Frauenfragen erweiterte.

Damit schrieb Süssmuth Geschichte: Sie wurde die erste Frauenministerin in der deutschen Geschichte und etablierte ein Ressort, das es zuvor nicht gegeben hatte. Ihr modernes Familien- und Frauenbild war vielen in ihrer eigenen Partei weit voraus und sorgte regelmäßig für kontroverse Diskussionen – auch mit ihrem einstigen Förderer Helmut Kohl.

Politisches Vermächtnis und bleibende Wirkung

Bundeskanzler Merz betonte in seiner Trauerrede, Süssmuth sei „fachlich exzellent, beharrlich und streitbar“ gewesen und habe sich selbst sowie ihre Partei immer wieder herausgefordert. „In vielen Fragen – vielleicht in den meisten – hat die Geschichte ihr recht gegeben“, konstatierte der Regierungschef und CDU-Vorsitzende.

Der Journalist Heribert Prantl, der auf Wunsch der Verstorbenen sprach, würdigte Süssmuth als „Demokratin mit Herz und Seele und mit scharfem Verstand“. Er erinnerte an ihren Einsatz für eine humane Aids-Politik, für ein liberales Abtreibungsrecht und ihren unermüdlichen Kampf für die Gleichberechtigung von Frauen in Politik und Gesellschaft.

Letztes großes Anliegen: Parität in den Parlamenten

Prantl hob hervor, dass Süssmuths letztes großes politisches Anliegen der Kampf um Parität in den Parlamenten gewesen sei. Sie habe sich für gesetzliche Regelungen eingesetzt, die eine gleichberechtigte Vertretung von Frauen und Männer in den Volksvertretungen sicherstellen sollten. Dabei habe sie eine „verfassungspolitische Radikalität“ an den Tag gelegt, die charakteristisch für ihren politischen Stil war.

Die Trauerfeierlichkeiten wurden von zahlreichen früheren Spitzenpolitikern begleitet, darunter Altkanzlerin Angela Merkel, Ex-Bundespräsident Christian Wulff und frühere Bundestagspräsidenten wie Wolfgang Thierse, Norbert Lammert und Bärbel Bas. Im Plenarsaal hing während des Staatsaktes ein übergroßes Schwarz-Weiß-Porträt der Verstorbenen, während auf den Regierungsbänken Blumengestecke aus weißen Chrysanthemen lagen.

Rita Süssmuths politisches Wirken erstreckte sich über fast zwei Jahrzehnte aktiver Parlamentsarbeit und setzte sich auch nach ihrem Ausscheiden aus dem Bundestag im Jahr 2002 in ihrem Engagement für Frauenrechte und gesellschaftlichen Fortschritt fort. Ihr Vermächtnis als politische Pionierin, die Tabus brach und gesellschaftliche Debatten vorantrieb, bleibt in der deutschen Demokratiegeschichte fest verankert.

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