Digitalisierung: MV vorn bei Glasfaser, Mobilfunk bleibt löchrig
MV: Glasfaser-Ausbau spitze, Mobilfunk weiter mangelhaft

Mecklenburg-Vorpommern hat beim Breitbandausbau bundesweit die Nase vorn, doch die Mobilfunkversorgung bleibt weiterhin lückenhaft. Das ist die durchwachsene Bilanz der digitalen Offensive der Landesregierung, die vor Jahren mit milliardenschweren Investitionen startete. Bauminister Christian Pegel (SPD) gab nun auf Anfrage des Nordkuriers neue Zahlen bekannt.

Breitband: Spitzenplatz dank Förderung

Laut Pegel sind mittlerweile rund 74 bis 75 Prozent der Haushalte im Land mit Breitbandanschlüssen von mindestens 1000 Megabit pro Sekunde versorgt. Dabei handelt es sich vor allem um Glasfaser, aber auch Kabelanschlüsse sind eingerechnet. Ohne Kabel liegt der Wert bei 64 Prozent. Bundesweit beträgt der Anschlussgrad nur 50 Prozent, wobei andere ostdeutsche Flächenländer und Bayern das Schlusslicht bilden, wie die Bundesnetzagentur mitteilt.

„MV steht an der Spitze der Bewegung“, betonte Pegel. Möglich wurde dies durch umfangreiche Fördermittel des Bundes. Vor einem Jahrzehnt galt das Land noch als Entwicklungsland beim Breitbandausbau. Anfang 2015 hatten lediglich 2,1 Prozent der Haushalte einen Glasfaseranschluss. „Es lohnt sich, wenn man geförderten Ausbau ernsthaft betreibt“, so der Minister. Bislang sei erst die Hälfte der 2,9 Milliarden Euro verbaut. „Wir werden im Glasfaserbereich weiterhin jedes Jahr deutliche Steigerungen erleben.“

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Konkret sind von 520.000 sogenannten Adresspunkten – also Häusern mit einer oder mehreren Wohneinheiten – derzeit 330.000 mit Glasfaser versorgt. Das bedeutet, dass die Leitung bis zum Haus liegt; ob der Eigentümer sie tatsächlich nutzt, bleibt ihm überlassen.

Schulen: Fast alle angebunden, aber wenige nutzen Glasfaser

95 Prozent der Schulen im Nordosten sind mit Glasfaserleitungen angebunden. „Weil wir die Ausbauunternehmen gebeten haben, Schulen vorrangig zu versorgen“, erklärte Pegel. Allerdings ärgert ihn, dass viele Schulträger andere Lösungen bevorzugen: Nur 41 Prozent haben tatsächlich zum Glasfaserpaket gegriffen.

Mobilfunk: Landesfirma baut nur drei Masten

Ganz anders sieht die Mobilfunkversorgung aus. Die Bundesnetzagentur stellt weiterhin viele unterversorgte Gebiete fest. Seit 2018 gab es Streit zwischen SPD und CDU über den Mobilfunkausbau. Schließlich gründete das Land eine Firma, die staatliche Funkmasten errichten sollte. Ursprünglich war von 230 Masten die Rede, später reduzierte sich die Zahl auf rund 100 – und zwar dort, wo private Betreiber wie Telekom oder Vodafone aus wirtschaftlichen Gründen nicht bauen wollten.

Die Bilanz ist mager: Gerade einmal drei Mobilfunkmasten hat das Land selbst errichtet. Etwa 20 weitere sollen noch folgen. 70 bis 75 Standorte entfielen, weil das Land nicht bauen darf, wenn Privatanbieter dort aktiv werden wollen. „Die meisten davon scheinen umgesetzt zu werden“, so Pegel. Bei anderen Standorten scheiterte man am Widerstand in den Gemeinden.

Dass Konzerne den Bau von Anlagen ankündigen, dann aber nicht handeln, habe das Land auch im Breitbandsektor erlebt. „Am Ende sind hier 40 bis 50 Prozent der Zusagen nicht umgesetzt worden“, resümierte Pegel. Dann müsse der Staat einspringen. Zwar seien solche Zusagen für Konzerne grundsätzlich bindend, „aber man darf seine Pläne ändern“.

Wirtschaft fordert Nachbesserung

Klaus-Jürgen Strupp, Präsident der IHK Rostock, bescheinigte dem Land einen guten Fortschritt im Breitbandausbau. Das sei auch Pegels Verdienst, der die Bewerbungen um Fördermittel koordiniert habe. Allerdings warnte Strupp: „Die übertragbaren Datenmengen werden in der Zukunft für viele Dienstleistungen oder die Nutzung künstlicher Intelligenz nicht mehr ausreichen, etwa in Gewerbegebieten.“ Und: „Beim Mobilfunk müssen wir besser werden.“

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