Reiche fordert digitale Souveränität: Europa muss eigene Cloud-Infrastruktur aufbauen
Reiche: Europa braucht eigene digitale Infrastruktur

Europa muss digitale Eigenständigkeit entwickeln

Die Europäische Union steht unter erheblichem Druck zwischen den globalen Machtblöcken USA, China und Russland. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (52, CDU) forderte deshalb auf der Europakonferenz in München eine beschleunigte Entwicklung hin zu mehr digitaler Unabhängigkeit. „Wir können nicht länger nur Mieter einer digitalen Infrastruktur sein“, betonte die Ministerin vor rund 300 Gästen.

Schwarz-Gruppe als Vorreiter für digitale Souveränität

Wie digitale Eigenständigkeit praktisch umgesetzt werden kann, demonstriert bereits die Schwarz-Gruppe mit ihren Unternehmen Lidl und Kaufland. Der Konzern hat eine eigene Cloud-Infrastruktur aufgebaut, sich vom Microsoft-Betriebssystem gelöst und setzt nun auf Google-Lösungen. Zudem entsteht in Lübbenau im Spreewald Deutschlands größtes Rechenzentrum.

Gerd Chrzanowski (52), CEO der Schwarz-Gruppe, erklärte: „Wir streben die volle digitale Souveränität an.“ Der Vorteil dieser Strategie zeigt sich bereits deutlich: Durch die Kontrolle über eigene Daten könne das Kundenverhalten präzise analysiert werden. „Jeder spart beim Essen, die Verbraucher kommen mehr zum Discounter. Wir haben einen deutlichen Kundenzuwachs“, so Chrzanowski.

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KI-Gigafabriken und Mittelstandsunterstützung

Gemeinsam mit der Telekom arbeitet die Schwarz-Gruppe daran, eine der fünf in Europa geplanten KI-Gigafabriken nach Deutschland zu holen. Diese Kooperation sei essenziell, betonte Chrzanowski in der Podiumsdiskussion mit Ministerin Reiche. Der Mittelstand mit seinen 60.000 Lieferanten benötige künftig enorme Rechenleistungen.

„Wir treffen jede Nacht eine Milliarde Entscheidungen mithilfe von Künstlicher Intelligenz, und die Zahl steigt rasant“, verdeutlichte der Schwarz-CEO die Dimensionen der digitalen Transformation. Diese Entwicklung erfordere leistungsfähige Infrastrukturen innerhalb Europas.

Reiches Forderungen für Europas Zukunft

Wirtschaftsministerin Reiche kritisierte auf der Konferenz die aktuelle Fokussierung auf Detailregelungen in Brüssel. Statt sich mit Plastikflaschen-Verschlüssen zu beschäftigen, müsse Europa die großen Themen angehen:

  • Mehr industrielle Forschung und Entwicklung
  • Militärische Souveränität
  • Neue internationale Partnerschaften und Märkte
  • Eigene digitale Netzwerke und Cloud-Infrastrukturen
  • Europäische Halbleiterproduktion

„Europa ist zu langsam, Europa muss besser werden“, forderte Reiche und betonte, dass Deutschland und Europa mit Respekt in der Welt auftreten müssten.

Konkrete Maßnahmen für mehr Wettbewerbsfähigkeit

Um Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit schnell zu steigern, plant Reiche eine umfangreichere Agenda als im Koalitionsvertrag vereinbart. Dazu gehören:

  1. Eine weitergehende Reform des Arbeitsmarktes
  2. Modernisierung der Sozialversicherungssysteme
  3. Vorziehen der Senkung der Körperschaftssteuer für Unternehmen

Ohne diese Maßnahmen drohe ein Anstieg der Lohnnebenkosten von derzeit 42 Prozent auf bis zu 46 Prozent. „Wir brauchen ein selbsttragendes Wachstum, dafür bin ich angetreten“, erklärte die Wirtschaftsministerin abschließend.

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