WhatsApp öffnet sich für fremde Messenger: EU-Vorgaben zwingen zu Interoperabilität
Seit Oktober 2025 öffnet sich WhatsApp in der Europäischen Union für andere Chat-Dienste. Grund dafür sind strikte Vorgaben der Europäischen Union, die den Messenger aus dem Meta-Konzern dazu verpflichten, eine technische Schnittstelle anzubieten. Diese ermöglicht es Nutzern, auch mit Personen zu kommunizieren, die andere Apps verwenden. Die neue sogenannte Interoperabilitäts-Funktion erlaubt sogar Gruppenunterhaltungen über verschiedene Dienste hinweg. Das Feature ist inzwischen in der gesamten EU verfügbar und taucht in den Messenger-Einstellungen auf.
Zwei unbekannte Partner zum Start
Aktuell lassen sich nur zwei eher unbekannte Messenger mit WhatsApp verbinden: BirdyChat und Haiket. BirdyChat richtet sich vor allem an den beruflichen Einsatz und soll den Austausch mit Kunden ermöglichen. Haiket setzt dagegen stark auf Sprach- und Audionachrichten und verfolgt damit ein anderes Konzept als viele klassische Messenger. Bekannte Alternativen sind bislang nicht dabei, was die praktische Bedeutung der neuen Funktion für viele Nutzer einschränkt.
EU will mehr Wettbewerb erzwingen
Die Öffnung geht auf EU-Vorgaben für sogenannte Gatekeeper zurück. Große Plattformen müssen ihre Dienste für konkurrierende Angebote zugänglich machen, um Nutzer nicht dauerhaft an einen Anbieter zu binden. Da WhatsApp als Gatekeeper gilt, muss es eine Schnittstelle bereitstellen, über die andere Messenger Nachrichten senden und empfangen können, ohne dass alle Beteiligten dieselbe App nutzen. In den Einstellungen können Nutzer festlegen, ob Drittanbieter-Chats getrennt oder zusammen mit normalen Unterhaltungen angezeigt werden.
Signal und Threema bleiben draußen
Große Konkurrenten wie Signal und Threema machen bisher nicht mit. Beide verweisen unter anderem auf Datenschutzbedenken. Zwar verspricht WhatsApp auch bei Drittanbieter-Chats eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, dennoch fallen weiterhin zahlreiche Metadaten an. So kann der Meta-Konzern etwa über die IP-Adresse allgemeine Standortinformationen erfassen. Wann sich weitere große Dienste anschließen, ist offen. Solange das so bleibt, dürfte die neue Funktion für viele Nutzer kaum praktische Bedeutung haben und bleibt eher ein symbolischer Schritt im Rahmen der EU-Regulierung.



