Erstmals sind im vergangenen Jahr weltweit mehr Menschen durch Konflikte und Gewalt in ihrem Heimatland vertrieben worden als durch Naturkatastrophen. Das gab die Beobachtungsstelle für Binnenvertriebene (IDMC) in Genf bekannt. Im Jahr 2025 registrierte sie 32,2 Millionen Vertreibungen durch Konflikte und Gewalt – ein Anstieg um 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Fast zwei Drittel dieser Vertreibungen entfielen auf Iran und die Demokratische Republik Kongo.
Rückgang bei Naturkatastrophen
Katastrophen wie Stürme und Überschwemmungen verursachten 29,9 Millionen Vertreibungen, ein Rückgang um 35 Prozent gegenüber 2024. Die Zahlen beziehen sich auf die Anzahl der Vertreibungsakte, nicht auf die Zahl der individuell betroffenen Personen. Eine Person kann innerhalb eines Jahres mehrfach vertrieben werden.
Was bedeutet Vertreibung?
Eine Vertreibung liegt vor, wenn jemand aufgrund von Gefahr aus seinem Haus fliehen muss. Die IDMC erfasst Menschen, die im eigenen Land außerhalb ihrer Heimat Zuflucht suchen – also Binnenvertriebene, nicht Flüchtlinge, die ihr Land verlassen haben. Die Organisation wurde 1998 vom Norwegischen Flüchtlingsrat gegründet und ist eine der wichtigsten Quellen für Daten über Binnenflüchtlinge für Regierungen und die Vereinten Nationen. Sie warnt, dass die Datenlage aufgrund von Geldmangel unzuverlässiger wird.
Insgesamt lebten im vergangenen Jahr 82,2 Millionen Menschen nicht in ihren angestammten Wohnorten (2024: 83,5 Millionen) – die zweithöchste je registrierte Zahl. Die meisten Vertriebenen gab es im Sudan, in Kolumbien, Syrien, Jemen und Afghanistan.
Kritik an mangelnder Konfliktprävention
Jan Egeland, Generalsekretär des Norwegischen Flüchtlingsrats (NRC), prangerte ein „weltweites Versagen bei der Konfliktprävention und beim grundlegenden Schutz der Zivilbevölkerung“ an. „So kann es nicht weitergehen“, warnte er. Die Zahlen zeigen einen alarmierenden Trend: Während Naturkatastrophen weniger Vertreibungen verursachten, nahmen gewaltbedingte Fluchtbewegungen drastisch zu. Experten fordern mehr internationale Anstrengungen zur Konfliktlösung und zum Schutz der Zivilbevölkerung.



