In einem überraschenden Schritt hat AfD-Co-Chef Tino Chrupalla in einem Beitrag zum Tag der Arbeit eine gegenderte Formulierung verwendet. Die Partei, die in Umfragen bundesweit vor der Union liegt, lehnt gendergerechte Sprache eigentlich strikt ab. Doch in einem Facebook-Post schrieb Chrupalla: „Ob es sich um Arbeitgeber oder Arbeitnehmer handelt, die Wertschöpfenden erfahren in Deutschland zu wenig Wertschätzung. Wir begehen den 1. Mai als Feiertag, um an den Beitrag aller Wertschöpfenden zu unserem Gemeinwesen und unseren Sozialsystemen zu erinnern. Unsere Botschaft lautet: Bessere Standortbedingungen, mehr Entlastungen und günstige Energie bedeuten Wohlstand für alle!“
Gender-Verbot in der AfD
Erst Mitte April hatte die AfD-Bundestagsfraktion einen Antrag im Bundestag eingebracht, der ein Verbot gendergerechter Sprache durch die Bundesregierung fordert. Darin heißt es, die Verwendung von Gender-Sternchen, Doppelpunkten, Binnen-Is oder anderen Formen führe zu einer „unnatürlichen Verunstaltung der deutschen Sprache“ und trage nicht zu mehr Geschlechtergerechtigkeit bei.
Frühere Äußerungen von AfD-Spitzenpolitikern
Chrupalla, seine Co-Vorsitzende Alice Weidel und andere führende AfD-Politiker hatten in der Vergangenheit immer wieder von „Gender-Gaga“ und „Gender-Wahn“ gesprochen. Die jetzige Verwendung des Begriffs „Wertschöpfende“ – analog zu „Studierende“ oder „Lehrende“ – stellt daher eine bemerkenswerte Abweichung von der Parteilinie dar. Beobachter werten dies als möglichen Versuch, das Thema Gendern neu zu positionieren oder als schlichtes sprachliches Versehen.



