BSW-Politiker feiern in russischer Botschaft: Putin-Propaganda?
BSW-Politiker feiern in russischer Botschaft

Mit breitem Grinsen in den politischen Untergang? Nach einem fulminanten Start im Jahr 2024 ist das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) politisch an einem Tiefpunkt angelangt. Bundesweite Umfragen führen die Partei nur noch unter den „Sonstigen“, und selbst in der Hochburg Sachsen-Anhalt würde das BSW aktuell nicht in den Landtag einziehen. Trost suchten führende Politiker nun bei einem Empfang in der Berliner russischen Botschaft – als ob es den russischen Krieg gegen die Ukraine nicht gäbe.

Empfang zum „Tag des Sieges“

Anlass war die Kapitulation von Nazi-Deutschland am 8. Mai 1945. Am „Tag des Sieges“ beziehungsweise dem „Tag der Befreiung“ zelebrieren die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs ihren militärischen Erfolg, der das Ende des Zweiten Weltkriegs und des Nationalsozialismus bedeutete. Doch mit dem würdevollen Gedanken andernorts hatte die Veranstaltung in Berlin nicht viel zu tun. Denn seit seinem Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 deutet Kreml-Chef Wladimir Putin (73) den 8. Mai perfide um. Angeblich kämpfen seine Invasionstruppen heute in der Tradition sowjetischer Soldaten „gegen den Faschismus“ in der Ukraine.

BSW-Politiker bei Putin-Propaganda

Die Berliner Veranstaltung war daher reine Putin-Propaganda. Die BSW-Politiker Sevim Dağdelen (50), Klaus Ernst (71) und Ulf Lange (59) hielt das jedoch nicht davon ab, persönlich vorbeizuschauen. Auf der Plattform X teilte Dağdelen Fotos, auf denen die Politiker fröhlich in die Kamera strahlen. Gute Laune bei den Wagenknechten! Dağdelen selbst war am Eingang des Gebäudes zuvor von einem mutmaßlichen Botschaftsmitarbeiter in Dienstuniform empfangen worden.

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„Wer heute nicht feiert, hat verloren!“, schrieb sie in ihrem Statement und bedankte sich anschließend in vier Sprachen (Englisch, Französisch, Deutsch, Russisch). Die Botschaft wohl: Immerhin lädt uns noch jemand ein!

Putins Schrumpf-Parade in Moskau

2000 Kilometer östlich, in der russischen Hauptstadt Moskau, war die Stimmung dagegen nicht so gut. In Russland wird der „Tag des Sieges“ wegen der Zeitverschiebung traditionell erst am 9. Mai gefeiert. Doch Putins Protz-Parade wurde dieses Jahr zur Schrumpf-Parade! Aus Angst vor ukrainischen Drohnen verzichtete der Kreml auf teure Militärtechnik und ließ nur eine kleine Zahl an Soldaten aufmarschieren. Auch internationale Staatschefs blieben der Veranstaltung weitestgehend fern.

Hintergrund und Reaktionen

Die Teilnahme der BSW-Politiker an der Feier in der russischen Botschaft stößt auf heftige Kritik. Oppositionspolitiker werfen der Partei vor, sich für russische Propaganda instrumentalisieren zu lassen. Die BSW-Führung hingegen verteidigt den Besuch als „Geste des Friedens“ und betont, man gedenke der Opfer des Zweiten Weltkriegs. Doch angesichts des anhaltenden Krieges in der Ukraine wirken diese Aussagen für viele zynisch. Das BSW, das sich als neue Kraft in der deutschen Politik etabliert hatte, kämpft nun um den Wiedereinzug in die Parlamente. Ob solche Auftritte helfen oder schaden, wird sich bei den nächsten Wahlen zeigen.

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