Cyberangriff auf Sirenen: Bund hält unbeirrt an zentral gesteuertem Alarm fest
In zwei Kommunen in Sachsen-Anhalt haben Unbefugte im Januar ohne erkennbaren Anlass Sirenenalarm ausgelöst und damit die Bevölkerung verunsichert. Dennoch bleiben die Pläne von Bund und Ländern für den Ausbau und die Modernisierung der Sirenen-Infrastruktur davon unberührt. Die Fördergelder fließen ausschließlich in moderne Sirenen, die sich zentral ansteuern lassen – ein Ziel, das der ehemalige Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), Ralph Tiesler, bereits im vergangenen Jahr formuliert hatte.
Fehlalarme in Halle und Querfurt schrecken Experten auf
Am 10. Januar ertönten kurz nach 22 Uhr alle Katastrophenschutzsirenen im Stadtgebiet von Halle (Saale) für mehrere Minuten. Nur sechs Tage später, am 16. Januar, wurde kurz nach 19 Uhr eine von zwei Sirenen in Querfurt aktiviert. Beide Vorfälle lösten bei der Bevölkerung Verwirrung und Besorgnis aus. Die Ermittlungen des Landeskriminalamts Sachsen-Anhalt laufen noch, um die Hintergründe dieser mutmaßlichen Cyberangriffe aufzuklären.
Besonders beunruhigend für Katastrophenschutz-Experten ist die Tatsache, dass die beiden betroffenen Kommunen unterschiedliche technische Systeme für die Sirenenauslösung verwenden. Dies deutet auf eine gezielte Manipulation hin, die über die Grenzen Sachsen-Anhalts hinaus Aufmerksamkeit erregt hat.
Bundesweiter Warntag: Zentralsteuerung bleibt offen
Ob die Warnung mit modernen Sirenen beim nächsten bundesweiten Warntag am 10. September wieder von den Kommunen ausgelöst wird oder erstmalig zentral vom Bund, steht bislang nicht fest. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums betont lediglich: „Die Länder und Kommunen werden im Rahmen der ihnen möglichen freiwilligen Teilnahme am Bundesweiten Warntag die Sirenen in ihren Zuständigkeitsbereichen auslösen.“ Die Vorfälle in Halle und Querfurt hätten hierauf keinen Einfluss.
Unklar bleibt auch, ob das ambitionierte Ziel einer vollständigen zentralen Auslösung aller Sirenen bis zum kommenden Warntag erreicht wird oder ob sich dies möglicherweise erst bis 2027 verzögert. Das Ministerium hält sich mit konkreten Zeitangaben bedeckt.
Sirenen als unverzichtbares Warnmittel
Sachsen-Anhalts Innenministerin Tamara Zieschang (CDU) verteidigt die Bedeutung von Sirenen als eines von mehreren essenziellen Warnmitteln. „Sirenen sind unverzichtbar, vor allem bei Katastrophen, die sich nachts ereignen“, erklärt sie. Als Beispiel nennt sie das folgenschwere Extremwetterereignis im Ahrtal 2021, bei dem viele Menschen berichteten, nicht rechtzeitig ausreichend vor der Gefahr gewarnt worden zu sein.
Die Diskussion um die Sicherheit der Systeme wird vor dem Hintergrund geführt, dass die Nachfolge für den inzwischen im Ruhestand befindlichen BBK-Präsidenten Ralph Tiesler noch offen ist. Trotz der jüngsten Vorfälle bleibt die Bundesregierung bei ihrer Strategie, die Warninfrastruktur zu modernisieren und zu zentralisieren – ein Schritt, der angesichts der zunehmenden Cyberbedrohungen kritisch hinterfragt werden könnte.



