Hamburg: Asylklagen verdoppeln sich trotz sinkender Flüchtlingszahlen
Die Zahl der in Hamburg ankommenden Asylbewerber ist im vergangenen Jahr deutlich gesunken. Doch gleichzeitig hat sich die Zahl der Asylklagen vor dem Hamburger Verwaltungsgericht mehr als verdoppelt. Dies zeigt eine aktuelle Entwicklung, die auf komplexe Veränderungen im Asylsystem hinweist.
Dramatischer Anstieg der Klagen
Nach Angaben der Justizbehörde gingen 2025 insgesamt 4.027 neue Asylklagen beim Hamburgischen Verwaltungsgericht ein. Dies stellt einen massiven Anstieg dar – mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Zum Vergleich: Im Jahr 2022 wurden in Hamburg noch knapp 1.500 Asylverfahren vor dem Verwaltungsgericht eingereicht.
Auch die Zahl der erledigten Verfahren nahm deutlich zu. So wurden im vergangenen Jahr 2.552 Fälle durch Urteil, Gerichtsbescheid oder Beschluss beendet. 2024 waren es noch 1.900 erledigte Verfahren.
Erfolgsquote sinkt, Verfahren beschleunigen sich
Interessanterweise sank die Erfolgsquote der Asylklagen. Nur 14,4 Prozent der Klagen waren 2025 ganz oder zumindest teilweise erfolgreich – das sind sieben Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig verkürzte sich die durchschnittliche Verfahrensdauer von 12,4 Monaten im Jahr 2024 auf 9,7 Monate im Jahr 2025.
Die durchschnittliche Dauer der Verfahren im einstweiligen Rechtsschutz blieb hingegen unverändert bei 0,9 Monaten.
Personalaufstockung und Spezialisierung
„Die Kolleginnen und Kollegen am Verwaltungsgericht bewältigen die zahlreichen Asylverfahren engagiert und professionell“, sagte Dennis Sulzmann, Sprecher der Justizbehörde. In den vergangenen Jahren seien zusätzliche Stellen geschaffen worden, um die gestiegene Arbeitslast zu bewältigen.
Die Personalsituation werde in regelmäßiger Abstimmung mit dem Gericht geprüft. Neben Richterinnen und Richtern übernehmen auch Richterassistenten Recherchearbeiten zu Personen und Herkunftsländern sowie Terminabstimmungen.
Spezialisierte Kammern und KI-Perspektiven
Das Verwaltungsgericht Hamburg hat spezialisierte Kammern für bestimmte Herkunftsländer eingerichtet, um Verfahren effizienter bearbeiten zu können. „Und perspektivisch sollen in der Justiz KI-Anwendungen zum Einsatz kommen“, ergänzte Sulzmann.
Diese Maßnahmen erfolgen vor dem Hintergrund eines bundesweiten Trends: Die Zahl der Asylklagen ist in den vergangenen Jahren deutschlandweit gestiegen, nachdem das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge Personal aufgestockt hatte und seine Asylverfahren beschleunigt abarbeitet.
Gleichzeitig: Deutlich weniger Asylbewerber in Hamburg
Während die Klagen zunehmen, sank die Zahl der in Hamburg ankommenden Asylbewerber erheblich. Laut Lagebild des Senats verzeichnete das Amt für Migration im vergangenen Jahr nur 6.669 Registrierungen – ein Rückgang um 32 Prozent gegenüber dem Vorjahr, als noch 9.795 Asylsuchende registriert worden waren.
Diese gegenläufige Entwicklung – weniger Ankünfte, aber mehr Klagen – zeigt, dass viele Asylsuchende, deren Anträge abgelehnt wurden, den Rechtsweg beschreiten. Die beschleunigten Verfahren beim Bundesamt führen offenbar zu mehr gerichtlichen Auseinandersetzungen über die Entscheidungen.



