Berlin – Ein Satz von Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) sorgt in den Jobcentern Deutschlands für große Empörung. Die Ministerin hatte im Bundestag behauptet: „Es wandert niemand in unsere Sozialsysteme ein.“ Diese Aussage stößt bei den Mitarbeitern, die täglich Bürgergeld-Anträge bearbeiten, auf heftige Kritik. BILD hat mit mehreren Beschäftigten aus deutschen Jobcentern gesprochen. Ihr einhelliges Urteil: Bas rede an der Realität vorbei und lasse diejenigen im Stich, die tagtäglich die Konsequenzen der Migrations- und Integrationspolitik zu spüren bekommen.
„Völlig an der Realität vorbei“
„Das ist völlig an der Realität vorbei“, erklärt ein Sachbearbeiter aus einer Leistungsabteilung in einer Großstadt. „Wenn ich so etwas höre, frage ich mich, wann die Ministerin zuletzt in einem Jobcenter war.“ Zahlreiche Mitarbeiter berichten übereinstimmend, dass der Zusammenhang zwischen Zuwanderung und Leistungsbezug im Arbeitsalltag allgegenwärtig sei. „Ein großer Teil unserer neuen Fälle hat einen Migrationshintergrund“, heißt es aus einer Leistungsabteilung im Westen Deutschlands. „Viele kommen ohne Job, ohne Deutschkenntnisse – und landen dann bei uns.“
„Seit Jahren kein einziger Tag gearbeitet“
Besonders deutlich werde dies bei anerkannten Flüchtlingen. „Wir haben regelmäßig Fälle, bei denen seit Jahren kein einziger Tag gearbeitet wurde“, berichtet ein Mitarbeiter. „Da geht es erst einmal um Sprache, Qualifikation und Integration.“ Ein anderer schildert konkrete Situationen: „Familien mit mehreren Kindern, keine Erwerbstätigkeit, kaum Perspektive – das sind keine Einzelfälle. Das ist Alltag.“ Der Ton in den Jobcentern werde zunehmend rauer. „Manche kommen mit einer Anspruchshaltung rein, die uns sprachlos macht“, sagt ein Mitarbeiter. „Wir haben Kollegen, die sagen: Uns wird hier auf der Nase herumgetanzt.“
Wut auf Ministerin Bas wächst
Die Wut auf Ministerin Bas ist entsprechend groß. „Der Satz ist für viele ein Schlag ins Gesicht“, heißt es aus mehreren Jobcentern. „Wir müssen jeden Tag die Folgen dieser Politik ausbaden, und in Berlin wird so getan, als gäbe es das Problem nicht.“ Erst vergangene Woche war Bärbel Bas beim „Tag der Jobcenter“ in Berlin – allerdings noch vor ihrer umstrittenen Aussage.
Positive Beispiele und Frustration
Dabei sehen die Mitarbeiter auch positive Beispiele. „Natürlich gibt es Menschen, die arbeiten wollen und sich integrieren“, sagt ein Sachbearbeiter. „Aber das ist eben nur ein Teil der Realität.“ „Wir fühlen uns oft alleingelassen“, sagt ein anderer Sachbearbeiter, der bereits lange im Job arbeitet. „Die Politik redet sich die Lage schön, und wir tragen jeden Tag die Folgen.“



