Massenfund auf Usedom: 42 Kriegstote entdeckt, viele Frauen und Kinder
Massenfund auf Usedom: 42 Kriegstote entdeckt

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge hat auf der Insel Usedom einen bemerkenswerten Fund gemacht. Bei Arbeiten auf dem Friedhof von Koserow entdeckten die Umbetter ein Massengrab mit 42 Toten. Unter den Opfern befinden sich überraschend viele Frauen und Kinder.

Unerwartete Entdeckung

Eigentlich hatte das Team nur sechs bisher unidentifizierte Kriegstote erwartet. Grabungsleiter Joachim Kozlowski berichtet: "Dann gab es eine vage Aussage, dass es möglicherweise mehr sein könnten. Aber dass es am Ende 42 wurden, damit hat keiner gerechnet." Die Toten lagen in drei länglichen Gruben "Schulter an Schulter".

Opfer und Todesursachen

Das Alter der Toten reicht von Kindern bis zu 70-Jährigen. Besonders auffällig ist der hohe Anteil an Frauen. Zehn Erkennungsmarken wurden gefunden, darunter die einer Marinehelferin. Die Untersuchung ergab Hinweise auf Lazarettbehandlungen: "Es gab Menschen mit frischen Amputationsverletzungen, wo man Gliedmaßen abgesägt hatte", so Kozlowski. Neben Schussverletzungen fielen schwere stumpfe Gewalteinwirkungen gegen den Kopf auf. Kozlowski vermutet, dass viele Opfer erschlagen wurden.

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Arbeit des Volksbunds

Der Volksbund sucht im staatlichen Auftrag anonym begrabene Kriegstote, um sie würdig zu bestatten. Jährlich werden in Deutschland 250 bis 300 Tote geborgen – Soldaten der Roten Armee, Wehrmachtsangehörige, Hitlerjungen, Volkssturmmänner, aber auch Zivilisten und Flüchtlinge. Kozlowski ist seit 17 Jahren der einzige hauptamtliche Umbetter. Er arbeitet oft allein bei Spontanfunden, bei größeren Aktionen wie in Koserow unterstützen ihn Feldjäger der Bundeswehr.

Vorgehen bei der Bergung

Vor der Tiefenuntersuchung wird der Boden mit Radar, Sonden oder Sondiernadeln geprüft. Ein Bagger trägt dann in kleinen Schichten die Erde ab. In der relevanten Schicht wird per Hand gearbeitet. Kozlowski untersucht jeden Toten einzeln nach Alter, Größe, Verletzungen und Geschlecht. Die Gebeine werden in kleinen schwarzen Pappsärgen an anderer Stelle auf dem Friedhof beigesetzt. Bis zum Volkstrauertag im November soll dort eine neue Kriegsgräberstätte entstehen.

Weitere Funde auf Usedom

Nicht weit von Koserow entfernt, in Krummin, wurden mehrere deutsche Soldaten entdeckt. Bei zweien handelt es sich um Soldaten mit Erkennungsmarken, deren Verbleib bislang unbekannt war. Auch diese Toten sollen würdevoll bestattet werden. Auf dem Golm, der höchsten Erhebung Usedoms, befindet sich bereits eine bedeutende Kriegsgräberstätte mit Tausenden Opfern, darunter viele Flüchtlinge, die bei Luftangriffen auf Swinemünde im März 1945 starben.

Mahnung zum Frieden

Kozlowski, der dem Grauen des Krieges näher kommt als die meisten, fordert: "Wir müssen sämtliche Kriege einfach verhindern. Das ist unsere Aufgabe, unsere Pflicht. Ich dachte, wir wären schon lange über dieses Thema Krieg hinweg." Der Volksbund betont, dass es nicht um Schuldfragen gehe, sondern um die würdige Bestattung der Toten und die Erinnerung an die Schrecken des Krieges.

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