Mengele-Dossier in der Schweiz freigegeben: Geheimakte enthält brisante Details
Mengele-Akte in der Schweiz überraschend freigegeben

Bern – Josef Mengele (†67) war eine der berüchtigtsten und grausamsten Nazi-Figuren. Er veranlasste menschenverachtende Experimente an KZ-Häftlingen, bei denen die meisten starben, und entschied über deren Tod oder Leben. Seine Akte im Schweizer Bundesarchiv umfasst den Zeitraum von 1960 bis 1991 und wurde vom Geheimdienst der Alpenrepublik angelegt. Bis 2071 sollten die brisanten Unterlagen unter Verschluss bleiben. Doch jetzt werden sie überraschend freigegeben.

Wende nach Beschwerde eines Historikers

Noch im Februar hatte der Schweizer Nachrichtendienst das Gesuch eines Historikers abgelehnt, die Akten einzusehen. Die Begründung: Schutz von Personenquellen und ausländischen Partnerdiensten. Außerdem würden Sicherheitsinteressen der Schweiz einer Freigabe entgegenstehen. Nachdem der Historiker gegen die Entscheidung Beschwerde bei Gericht eingereicht hatte, vollzog der Schweizer Geheimdienst jetzt eine Kehrtwende. „Aufgrund einer neuen Ausgangslage wird der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) künftig Zugang zum Dossier Josef Mengele beim Schweizerischen Bundesarchiv (BAR) gewähren“, erklärte das Bundesarchiv in Bern am Montag. Da das Dossier weiterhin „schutzwürdige Informationen“ enthalte, würden Auflagen zur Einsicht in die Akte definiert.

Mengeles Verbrechen und Flucht

Josef Mengele kam 1943 als Lagerarzt nach Auschwitz. Er entschied an der Rampe, welche Neuankömmlinge in der Gaskammer ermordet wurden und wer als arbeitsfähig eingestuft wurde. Der Nazi-Verbrecher führte grausame medizinische Experimente an Häftlingen durch, unter anderem an Kindern und Zwillingen, die meist tödlich endeten. Er infizierte Gefangene mit Krankheiten wie Typhus und machte Experimente zur Veränderung der Augenfarbe – ohne Einwilligung und ohne Betäubung. Mengele, der aus Günzburg in Bayern stammte, wurde wegen seiner Macht über Leben und Tod im Lager auch der „Todesengel von Auschwitz“ genannt. Nach dem Krieg entkam er 1949 unter falschem Namen über die sogenannte Rattenlinie über Genua nach Südamerika. Mengele starb 1979 in Brasilien und stand für seine Verbrechen nie vor Gericht.

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War Mengele 1961 in der Schweiz?

1956 machte Mengele ungehindert Winterurlaub in der Schweiz. In den strittigen Akten geht es um die Frage, ob sich der international gesuchte NS-Verbrecher auch in den 60er-Jahren zeitweilig in der Schweiz aufhielt. 1961 soll sich der ehemalige KZ-Arzt in Kloten in der Schweiz aufgehalten haben. Ein deutscher Journalist soll ihn erkannt haben. Doch die Schweizer Polizei unternahm angeblich so lange nichts, bis Mengele verschwunden war. Ob das wirklich zutrifft und ob Mengele 1961 wirklich in der Schweiz war, dürfte das Geheimdossier enthüllen. Christoph Heubner, Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, begrüßt die Freigabe der Akten als Genugtuung für die Überlebenden und ihre Angehörigen.

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