Gewerkschaft der Polizei übt scharfe Kritik an Berliner Leuchtuniformen
Die Führung der Berliner Polizei steht in der Kritik, weil sie mit neuen Leuchtuniformen möglicherweise die Sicherheit ihrer eigenen Beamten gefährdet. Stephan Weh, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), hat jetzt deutliche Worte gefunden und vergleicht das auffällige Erscheinungsbild der Polizisten sogar mit den bekannten Fernsehfiguren „Teletubbies“.
Leuchtelemente sollen Sichtbarkeit erhöhen – doch zu welchem Preis?
Eigentlich sind die festen, gelben Reflektoren an Jacken und Uniformen der Berliner Polizei dazu gedacht, die Sichtbarkeit der rund 18.000 Vollzugsbeamten zu verbessern. Dies dient vor allem der Verkehrssicherheit, etwa bei Unfallaufnahmen in der Nacht oder an unübersichtlichen Stellen. Doch Gewerkschafter Weh sieht darin ein erhebliches Problem: „Vorgeschrieben ist in der entsprechenden EU-Richtlinie lediglich, dass Reflektoren gelb, orange oder weiß zu sein haben, wenn Sichtbarkeit generiert werden soll, nicht dass wir hier generell als Teletubbies herumlaufen müssen.“
Gefahr durch organisierte Kriminalität und Terroristen
Der GdP-Landeschef warnt eindringlich vor den Sicherheitsrisiken: „Organisierte Kriminalität und Terroristen wollen gezielt Polizisten verletzen oder töten. Mit den Reflektoren werden wir zur perfekten Zielscheibe.“ Abgesehen von dieser grundlegenden Sicherheitsbedrohung kritisiert Weh auch praktische Probleme: Die Leuchtkleidung sei nahezu unmöglich zu reinigen und würde im Sommer Insekten magnetisch anziehen.
Die Gewerkschaft zeigt zwar Verständnis für die Notwendigkeit von Sichtbarkeit in der Hauptstadt, fordert aber eine differenziertere Herangehensweise. Wehs konkreter Vorschlag: „Insofern kann man entsprechende Kletts für bestimmte Einsätze verteilen, den Rest könnten wir in dunkelblau halten.“
Fehlender Schutz gegen Messerangriffe
Gleichzeitig weist der Gewerkschaftsvorsitzende auf ein weiteres erhebliches Defizit bei der Dienstkleidung der Berliner Polizei hin: den mangelnden Schutz gegen Messerangriffe. „Wir sind die Messer-Hauptstadt des Landes und dennoch hat sich in Sachen des von uns vehement eingeforderten Stichschutzes in den vergangenen Jahren rein gar nichts getan.“
Wer sich nicht privat mit entsprechender Ausstattung für Hals und Hände versorge, sei Messerangreifern ziemlich offen ausgesetzt. Als positives Beispiel nennt Weh Baden-Württemberg, wo Stichschutz-Elemente bei der Uniform inzwischen zur Grundausstattung gehören. „Solche schützenden Elemente für gefährdete Körperbereiche brauchen Polizistinnen und Polizisten aber nirgendwo mehr als in Berlin.“
Diskussion um Sicherheit versus Sichtbarkeit
Die Debatte um die Berliner Polizeiuniformen wirft grundsätzliche Fragen auf: Wie lässt sich die notwendige Sichtbarkeit von Polizeibeamten im Straßenverkehr mit ihrem Schutz vor gezielten Angriffen vereinbaren? Die Gewerkschaft der Polizei fordert hier eine Abwägung, die den besonderen Sicherheitsbedürfnissen in der Hauptstadt Rechnung trägt.
Während die Leuchtelemente theoretisch die Verkehrssicherheit erhöhen sollen, könnten sie in der Praxis Polizisten zu leichten Zielen für Kriminelle machen. Diese Spannung zwischen verschiedenen Sicherheitsaspekten wird die Diskussion um die Berliner Polizeiausrüstung in den kommenden Wochen sicherlich weiter bestimmen.



