Kremlchef Wladimir Putin (73) erhöht vor dem Tag des Sieges am 9. Mai den Druck auf die Ukraine. In einer diplomatischen Note forderte das russische Außenministerium ausländische Botschaften in Kiew auf, die rechtzeitige Evakuierung ihres Personals und ihrer Bürger aus der ukrainischen Hauptstadt sicherzustellen. Hintergrund ist die Befürchtung, dass die Ukraine die Gedenkfeiern in Moskau stören könnte. Sollte dies geschehen, droht Russland mit einem Vergeltungsschlag auf Kiew.
Waffenruhe nur für die Parade?
Am 9. Mai gedenkt Russland des Sieges der Sowjetunion über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg. Für diesen Tag hatte Putin eine einseitige Waffenruhe im Krieg mit der Ukraine angekündigt. Doch die Regierung in Kiew fühlt sich nicht daran gebunden, nachdem die russische Armee eine zuvor von ukrainischer Seite verkündete Feuerpause ab dem 6. Mai tausendfach gebrochen hatte. Präsident Wolodymyr Selenskyj (48) erklärte, eine Waffenruhe nur für Moskaus Parade sei nicht ernst zu nehmen. Russland habe offenbar Angst vor ukrainischen Drohnen über dem Roten Platz.
Moskau im Ausnahmezustand
Putin will persönlich an der Siegesparade auf dem Roten Platz teilnehmen. Daher ist Moskau seit Wochen in höchster Alarmbereitschaft. Der Ring aus Flugabwehrsystemen um die Stadt wurde verstärkt, Sicherheitskräfte patrouillieren in den Straßen, und das mobile Internet wurde laut Oppositionsmedien abgeschaltet. Grund ist die Sorge, dass ukrainische Drohnen über das Mobilfunknetz navigieren könnten. Die Folgen sind gestörte Verbindungen, verzögerte SMS und Probleme für Taxis und Banking-Apps.
Ukrainische Drohnen fliegen immer wieder den Großraum Moskau an und stören den Flugverkehr. Einschläge sind jedoch selten. Zuletzt wurde in der Nacht zu Montag ein Wolkenkratzer im Westen der Stadt getroffen. In der Regel konzentriert die Ukraine ihre Angriffe auf Militärobjekte und Anlagen der russischen Öl- und Gasindustrie.
Die russische Außenamtssprecherin Maria Sacharowa (50) warf Selenskyj aggressive und drohende Erklärungen vor. Die Spannungen zwischen beiden Ländern bleiben damit auf einem Höhepunkt.



