Großstudie enthüllt: Rassismus in deutschen Behörden steckt in Strukturen und Routinen
Rassismus in Behörden: Studie zeigt strukturelle Probleme

Großstudie enthüllt: Rassismus in deutschen Behörden steckt in Strukturen und Routinen

Eine bahnbrechende Untersuchung hat das Phänomen des Rassismus in deutschen Behörden umfassend analysiert. Die Studie mit dem Titel „Institutionen und Rassismus“ (InRa) kommt zu dem Ergebnis, dass Diskriminierung in Ämtern und staatlichen Einrichtungen selten in offenen Anfeindungen sichtbar wird. Stattdessen versteckt sie sich in alltäglichen Abläufen, Entscheidungsspielräumen und den grundlegenden Organisationsstrukturen.

Umfangreiche Untersuchung über drei Jahre

Die von der Universität Leipzig federführend durchgeführte Studie gilt als die bislang umfassendste empirische Untersuchung zu Rassismus in staatlichen Institutionen Deutschlands. Über einen Zeitraum von drei Jahren untersuchten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an zehn verschiedenen Standorten eine breite Palette von Behörden:

  • Jobcenter und Ausländerbehörden
  • Polizei- und Justizbehörden
  • Gesundheits-, Jugend- und Ordnungsämter
  • Einrichtungen der sozialen Arbeit

Zusätzlich wurden in einem speziellen Teilprojekt vier Bundesbehörden einer genauen Prüfung unterzogen. Insgesamt besteht die Verbundstudie aus beeindruckenden 23 Einzelprojekten, die ein detailliertes Bild der Situation zeichnen.

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Diskriminierung auf mehreren Ebenen nachweisbar

Die Forschungsergebnisse zeigen deutlich, dass rassistische Diskriminierung in deutschen Behörden auf verschiedenen Ebenen nachweisbar ist – wenn auch in unterschiedlicher Form und Intensität. Die Wissenschaftler identifizierten drei Hauptebenen:

  1. Individuelle Ebene: Rassistische Einstellungen bei einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
  2. Institutionelle Ebene: Diskriminierende Praktiken und Ermessensspielräume innerhalb der Behörden
  3. Strukturelle Ebene: Systemische Probleme im Umgang mit Beschwerden und in den Organisationsabläufen

Diese vielschichtige Diskriminierung bleibt oft unsichtbar für Außenstehende, hat jedoch konkrete und schwerwiegende Folgen für die betroffenen Personen.

Konkrete Handlungsempfehlungen für Veränderungen

Basierend auf ihren umfangreichen Forschungsergebnissen haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler insgesamt 17 konkrete Handlungsempfehlungen formuliert. Diese zielen darauf ab, die festgestellten Missstände zu beheben und strukturelle Veränderungen zu bewirken. Zu den wichtigsten Empfehlungen gehören:

  • Einrichtung unabhängiger Beschwerdestellen für Betroffene
  • Ausweitung und Verschärfung des Gleichbehandlungsgesetzes
  • Verpflichtende rassismuskritische Fortbildungen für alle Behördenmitarbeiter
  • Mehr Transparenz in behördlichen Entscheidungsprozessen
  • Gezielte Förderung und Einstellung von Mitarbeitenden aus diskriminierten Gruppen

Methodische Vielfalt und umfangreiche Förderung

Die Studie, die von 2021 bis 2024 durchgeführt wurde, erhielt eine Förderung des Bundesinnenministeriums in Höhe von sechs Millionen Euro. Für die Untersuchung kam das gesamte Methodenspektrum der Sozial- und Geisteswissenschaften zum Einsatz:

  • Quantitative Befragungen und statistische Analysen
  • Qualitative Interviews mit Betroffenen und Behördenmitarbeitern
  • Gruppendiskussionen und Fokusgruppen
  • Teilnehmende Beobachtungen direkt in den Behörden
  • Umfangreiche Diskurs- und Inhaltsanalysen
  • Vergleichende Dokumentenanalysen behördlicher Unterlagen

Diese methodische Vielfalt gewährleistet eine fundierte und differenzierte Betrachtung des komplexen Themas. Die Studie liefert damit nicht nur eine Bestandsaufnahme der aktuellen Situation, sondern auch eine wissenschaftlich fundierte Grundlage für notwendige Reformen in deutschen Behörden.

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