Russische Agenten in Deutschland: Eine wachsende Bedrohung
Die Bundesrepublik Deutschland sieht sich zunehmend mit dreisten Operationen russischer Geheimdienste konfrontiert. Fast scheint man sich hierzulande an regelmäßige Berichte über Ausspähversuche, Drohnenüberflüge und Sabotageaktionen gewöhnt zu haben, die offenbar von Moskau gesteuert werden. Dabei ist das, was derzeit passiert, keineswegs normal oder alltäglich. Russische Agenten operieren immer schamloser, und Wladimir Putins Angriff auf unsere Demokratie ist in vollem Gange.
Meine Kollegen Tobias Großekemper, Ulrich Kraetzer, Sven Röbel, Marcel Rosenbach, Fidelius Schmid und Wolf Wiedmann-Schmidt haben die mutmaßlich russischen Aktionen der vergangenen Jahre und Monate zusammengetragen. Sie berichten von plötzlich aufgetauchten Überwachungskameras unbekannten Ursprungs, die ihre Aufnahmen per Mobilfunk weitergeben, von ausgespähten deutschen Rüstungsunternehmen und vom Angriff auf Signal-Nutzerkonten deutscher Spitzenpolitiker.
Wie wehrt sich Deutschland?
Bisher waren die hiesigen Dienste einigermaßen zahnlos. Das soll sich nun ändern, verspricht BND-Chef Martin Jäger. Man müsse Moskau zeigen, dass wir in der Lage sind, sehr ähnliche Dinge zu tun, damit auch die andere Seite den Schmerz spürt. Mehr Hintergründe zu Putins Schattenkrieg in Deutschland finden Sie hier.
Deutsch-amerikanische Beziehungen: Beschwichtigungskurs am Limit
Außenminister zu sein, ist eine hochinteressante Aufgabe. Wer sonst reist beruflich so oft und weit, verhandelt auf so hohem Niveau und lernt so viele mächtige Menschen kennen? Doch der Job verlangt bisweilen einen hohen Preis, wie man am verkniffenen Gesichtsausdruck des aktuellen Amtsinhabers Johann Wadephul ablesen kann. Der Mann muss aus Gründen der Diplomatie manchmal offenkundigen Unsinn von sich geben.
Friedrich Merz sagt, Iran habe die USA gedemütigt? Das sei eine klare Warnung an Teheran gewesen, fabulierte Wadephul. In Washington verstand man das durchaus anders. Meine Kollegen Matthias Gebauer, Paul-Anton Krüger, Christoph Schult und Gerald Traufetter analysieren den prekären Zustand der deutsch-amerikanischen Beziehungen. Sie beschreiben den aufreizenden Gleichmut Wadephuls und beobachten, wie das stete Bemühen des deutschen Außenamtschefs um Beschwichtigung an seine Grenzen stößt. Die ganze Geschichte: Trump nimmt Rache an Deutschland – und die Bundesregierung bleibt trotzdem bei ihrem Beschwichtigungskurs.
Der Wal bleibt verschwunden: Neue Wendungen in der Saga
Womöglich haben sich alle zu früh gefreut, die dachten, mit dem Verschwinden des an der deutschen Ostseeküste gestrandeten Buckelwals habe diese unendliche Geschichte endlich einen Abschluss gefunden. Weit gefehlt: Das skurrile menschliche Personal der Wal-Saga bleibt uns erhalten und liefert weiterhin Neuigkeiten.
Zuletzt mussten wir erfahren, dass der gefühlige Walfreund und Landesminister Till Backhaus (SPD) zwar dem berühmtesten aller Meeressäuger jede Hilfe gewähren wollte, aber den Schutz anderer, ihm persönlich unbekannter Wale eher behindert. Und dann stellt sich auch heraus, dass die die Walfahrt begleitende Tierärztin Kirsten Tönnies zwar einen Peilsender an dem großen Tier angebracht haben will, von dessen Handhabung jedoch nur wenig Ahnung zu haben scheint. Der Wal bleibt folgerichtig verschwunden.
Mein Kollege Martin Schlak klärt darüber auf, welche Gerätschaften gemeinhin zur Walverfolgung eingesetzt werden, wie diese funktionieren und was es bedeuten könnte, dass jenes am Wal angebrachte Gerät nur sporadisch sendet. Hand aufs Herz: Sie haben doch auch bisher jeden Wal-Text gelesen, geben Sie es ruhig zu, da kommt es auf diesen jetzt auch nicht mehr an. Er ist interessant, versprochen! Wir können allerdings nicht versprechen, dass es der letzte ist. Mehr Hintergründe: Was hinter den mysteriösen Signalen vom Wal stecken könnte.
Leitartikel: Zeit für eine Steuerwende
Die Zeit ist reif für eine Steuerwende: Die Regierung sollte sich endlich zu einer tiefgreifenden Steuerreform durchringen. Vor allem die SPD muss sich bewegen. Hier geht es zum aktuellen Tagesquiz.
Gewinner des Tages: Markus Söder
Um den CSU-Chef und bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder war es in letzter Zeit merkwürdig still geworden. Zuletzt wirkte der umtriebige Nürnberger ungewohnt defensiv und empfahl nicht sich selbst für die Nachfolge im höchsten Staatsamt, sondern eine Frau: Seine Parteifreundin Ilse Aigner solle nächste Bundespräsidentin werden. Ob er sich mit diesem Wunsch durchsetzt, ist noch unklar.
Jetzt hat es Söder aber mit der Umsetzung eines anderen, musikalisch-patriotischen Ansinnens wieder in die Schlagzeilen gebracht. Auf den Abschlussfeiern an bayerischen Schulen sollen künftig mindestens zwei Hymnen gespielt werden. Verpflichtend dabei: die Bayernhymne. Die ganze Geschichte: Hymnenpflicht an Bayerns Schulen kommt zum nächsten Schuljahr.
Weitere Nachrichten der Nacht
- Russland dringt auf Evakuierung ausländischer Botschaften in Kyjiw: Moskau droht der Ukraine mit einem Angriff auf die Hauptstadt – sollte das Land die russischen Gedenkfeiern zum Sieg über Nazideutschland stören. Nun gab es eine Warnung an internationale Vertretungen in Kyjiw.
- US-Richter veröffentlicht Notiz, die Epstein vor seinem Tod verfasst haben soll: Wenige Wochen vor seinem Tod soll Jeffrey Epstein einen Abschiedsbrief verfasst haben. Das behauptet zumindest sein ehemaliger Zellengenosse. Das Schreiben war lange unter Verschluss. Nun wurde der Inhalt bekannt.
- Reaktionen auf das Champions-League-Aus der Bayern gegen Paris: Die Bayern hadern nach dem Aus gegen Paris im Halbfinale der Champions League mit einer kontroversen Schiedsrichterentscheidung, aber auch mit der eigenen Chancenverwertung. Das sind die Stimmen nach dem Spiel.
Heute bei SPIEGEL Extra: Warum Zwangsgedanken oft Gehirnschrott sind – und wie man sie entschärft. Manche Menschen malen sich Schreckliches aus und versuchen, die Angst durch exzessives Zählen oder Händewaschen zu kontrollieren. Was hilft tatsächlich gegen Zwänge?
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag. Ihr Stefan Kuzmany, Autor der Chefredaktion.



