Deutschland-Monitor: Jeder Fünfte offen für autoritäre Ideen, Ostdeutschland besonders betroffen
Studie: Viele Deutsche offen für autoritäre Ideen

Deutschland-Monitor enthüllt: Erschreckende Offenheit für autoritäre Staatsformen

Eine umfassende Studie mit etwa 8.000 Befragten, der sogenannte Deutschland-Monitor, zeigt alarmierende Tendenzen in der deutschen Bevölkerung. Rund ein Fünftel aller Deutschen zeigt sich empfänglich für autoritäre Ideen, in Ostdeutschland ist es sogar ein Viertel der Bevölkerung. Diese Ergebnisse stellt die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser, heute in Berlin im Detail vor.

Graubereich zwischen Demokratie und Diktatur

Die Forscher gingen bei ihrer Untersuchung besonders subtil vor. Statt nur direkte Fragen zu stellen, versuchten sie mit indirekten Fragestellungen den sogenannten Graubereich zwischen Demokratie und Diktatur auszuleuchten. Die Ergebnisse sind beunruhigend: Bundesweit stimmen 31 Prozent der Aussage zu, dass Deutschland "eine einzige starke Partei" benötige, "die den Willen des Volkes insgesamt verkörpert". Weitere 23 Prozent stimmen dieser Aussage zumindest teilweise zu.

In Ostdeutschland liegen die Zahlen noch höher: Hier befürworten 35 Prozent der Befragten vollständig eine solche Einheitspartei, weitere 26 Prozent zeigen sich teilweise offen für dieses Konzept. Die Vorstellung, dass politische Entscheidungen von einer "starken Führungspersönlichkeit" ohne parlamentarische Kontrolle getroffen werden sollten, findet bundesweit bei 11 Prozent volle Zustimmung, während 21 Prozent diese Idee teilweise unterstützen.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Ost-West-Gefälle bei Demokratiezufriedenheit

Besonders auffällig ist das deutliche Ost-West-Gefälle. Während bundesweit 60 Prozent der Befragten mit dem "Funktionieren der Demokratie" zufrieden sind, sind es in Ostdeutschland nur 51 Prozent. Insgesamt sehen 71 Prozent der Deutschen eine eher negative Entwicklung der Demokratie in Deutschland. Diese Zahlen stehen in starkem Kontrast zu den Antworten auf direkte Fragen: 98 Prozent befürworten grundsätzlich die "Idee der Demokratie", und 89 Prozent lehnen eine Diktatur unter allen Umständen ab.

Soziale Ungerechtigkeit als Treiber der Unzufriedenheit

Die Ostbeauftragte Elisabeth Kaiser sieht einen klaren Zusammenhang zwischen der geringen Zufriedenheit mit der Demokratie und dem Gefühl sozialer Ungerechtigkeit. "Die geringe Zufriedenheit mit der Funktionsweise der Demokratie ist bedenklich", erklärt die SPD-Politikerin. Sie interpretiert die Ergebnisse als "Aufruf, soziale Aspekte in den Mittelpunkt zu stellen, Abstiegsängsten entgegenzutreten und den Menschen Perspektive zu geben".

Kaiser betont, dass anstehende Veränderungen nicht nur sinnvoll, sondern auch machbar seien. Die Studie zeigt jedoch, dass besonders in strukturschwachen Gebieten Ostdeutschlands die Skepsis gegenüber gesellschaftlichem Wandel groß ist: 26 Prozent der Befragten sehen vor allem die Risiken von Veränderungen.

Bereitschaft für gesellschaftliche Veränderungen

Interessant sind die Unterschiede bei der Bereitschaft, persönliche Zumutungen für gesellschaftliche Ziele zu akzeptieren. Bei Themen wie Verteidigung, Wirtschaft, Digitalisierung, Demografie, Klima und Migration zeigen sich die Deutschen mehrheitlich kompromissbereit. Eine klare Ausnahme bildet jedoch die Arbeitszeit: 58 Prozent der Befragten lehnen es als "große Zumutung" ab, für die gleiche Rentenhöhe länger arbeiten zu müssen.

Der Deutschland-Monitor wird seit 2023 jährlich erstellt und von der Ostbeauftragten gefördert. An der Studie beteiligen sich Forschungsteams des Zentrums für Sozialforschung Halle, der Universität Jena und des Leibnitz-Instituts für Sozialwissenschaft Mannheim. Die aktuelle Erhebung basiert auf Befragungen von 4.000 Menschen bundesweit sowie weiteren 4.000 Personen in einer Regionalstichprobe, die differenzierte Aussagen nach Stadt-Land-Verhältnis und Wohlstandsniveau ermöglicht.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration