Scharfe Attacke auf CDU-Chef: Türkische Gemeinde kritisiert Merz' Gewalt-Rede
Die Türkische Gemeinde in Deutschland (TGD) hat Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) scharf angegriffen. Der Dachverband wirft dem CDU-Politiker vor, Übergriffe gegen Frauen politisch zu instrumentalisieren und dabei gezielt auf den Migrationshintergrund von Tätern zu verweisen.
Vorwurf der politischen Instrumentalisierung
TGD-Bundesvorsitzende Mehtap Caglar äußerte sich gegenüber der Deutschen Presse-Agentur deutlich: „Mit seinen gestrigen Äußerungen hat Herr Merz bewiesen, dass es ihm nicht um den Schutz von Frauen geht, sondern um politische Instrumentalisierung.“ Die Kritik entzündete sich an einer Bundestagsrede vom Mittwoch, in der Merz über gesellschaftliche Gewalt sprach.
Der CDU-Chef hatte erklärt: „Wir haben eine explodierende Gewalt in unserer Gesellschaft, und zwar im analogen wie im digitalen Raum, und dagegen müssen wir gemeinsam etwas tun.“ Anschließend wurde er konkreter und forderte, über die Herkunft dieser Gewalt zu sprechen.
Empörung über Migrationsbezug
Merz' weitere Ausführungen sorgten für deutliche Reaktionen: „Und dann müssen wir auch ansprechen, dass ein beachtlicher Teil dieser Gewalt aus den Gruppen der Zuwanderer in die Bundesrepublik Deutschland kommt.“ Während Union und AfD applaudierten, reagierten Linke und Grüne mit verärgerten Zwischenrufen.
Für TGD-Co-Vorsitzende Caglar stellt dies ein Versagen beim Schutz von Frauen dar. Sie betonte: „Wer Gewalt nur dann thematisiert, wenn er sie Migranten zuschreiben kann, lässt jede einzelne Frau in Deutschland im Stich, die Schutz vor patriarchaler Gewalt braucht – egal, woher der Täter kommt.“ Ein Politiker, der bei Fällen sexualisierter Gewalt primär auf die Herkunft der Täter verweise, handle fatal.
Hintergrund des Dachverbands
Die Türkische Gemeinde in Deutschland vertritt seit ihrer Gründung im Jahr 1995 die Interessen von Menschen mit türkischem Migrationshintergrund. Der Verband entstand als Reaktion auf rassistische Ausschreitungen und Morde, insbesondere die Anschläge in Mölln und Solingen. Seitdem setzt sich die Organisation für Integration, Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung ein.
Die aktuelle Debatte zeigt erneut, wie sensibel das Thema Gewalt und Migration in der deutschen Politik diskutiert wird. Während Merz die Herkunft von Tätern als relevanten Faktor benennt, kritisiert die Türkische Gemeinde eine einseitige Fokussierung, die ihrer Ansicht nach dem eigentlichen Anliegen – dem Schutz aller Frauen vor Gewalt – nicht gerecht wird.



