Weiterer mutmaßlicher Entführer im Block-Prozess vernommen
Im Prozess um die gewaltsame Rückholung der Block-Kinder wird am Montag (9.30 Uhr) ein weiterer mutmaßlicher Entführer vor dem Landgericht Hamburg als Zeuge befragt. Der Israeli soll in der Silvesternacht 2023/24 eines der Fahrzeuge gesteuert haben, mit denen die beiden Kinder von ihrem Wohnort in Dänemark nach Deutschland gebracht wurden. Er ist einer von vier Beschuldigten aus Israel, die sich während des laufenden Verfahrens gemeldet haben und für ihre Aussage sicheres Geleit erhielten. Ihnen droht zu einem späteren Zeitpunkt eine eigene Anklage und ein Prozess.
Die vier mutmaßlichen Entführer konnten aufgrund des Iran-Kriegs in den vergangenen Wochen nicht nach Hamburg reisen. Das Gericht geht jedoch davon aus, dass der Mann persönlich erscheinen wird, wie eine Gerichtssprecherin mitteilte. Sollte dies nicht möglich sein, könnte die Vernehmung per Videoübertragung stattfinden.
Hintergrund des Falls
Die Hamburger Unternehmerin Christina Block, Tochter des Block-House-Gründers Eugen Block, ist angeklagt, nach einem langen Sorgerechtsstreit eine israelische Sicherheitsfirma beauftragt zu haben, ihre beiden jüngsten Kinder (damals 10 und 13 Jahre alt) in der Silvesternacht 2023/24 vom Wohnort ihres Ex-Manns in Dänemark nach Deutschland zu entführen. Die Anklage lautet unter anderem auf gemeinschaftliche schwere Entziehung von Minderjährigen in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung. Block beteuert ihre Unschuld. Ihr Lebensgefährte Gerhard Delling (67) ist wegen Beihilfe angeklagt, bestreitet jedoch jegliches Unrecht. Fünf weitere Personen sind ebenfalls angeklagt.
Neben dem mutmaßlichen Fahrer haben zwei Männer und eine Frau sicheres Geleit für ihre Zeugenaussage erhalten. Bereits vernommen wurde der mutmaßliche Chef der Sicherheitsfirma, die für die Rückholaktion verantwortlich sein soll. Eine Frau, die sich in Hamburg als „Olga“ ausgab und eine enge Vertraute von Christina Block war, will ebenfalls aussagen. Zudem wird ein weiterer beschuldigter Israeli aus dem Team als Zeuge erwartet.
Ein Angeklagter in Untersuchungshaft
Derzeit sitzt nur ein Angeklagter in Untersuchungshaft: Der 36-jährige Israeli wurde Ende September 2024 auf Zypern verhaftet. Er hat eingeräumt, an der Tat beteiligt gewesen zu sein, gab jedoch an, er habe geglaubt, die Kinder aus den Händen ihres angeblich bösen Vaters zu retten.
Christina Block und ihr Ex-Mann Stephan Hensel haben vier gemeinsame Kinder. Die älteste Tochter war im Sommer 2021 nach einem Streit mit Zustimmung der Mutter zu ihrem Vater nach Dänemark gezogen. Wenige Wochen später brachte Hensel die beiden jüngsten Kinder nicht wie vereinbart nach einem Wochenendbesuch zurück nach Hamburg. Er erhob Gewaltvorwürfe, die Block als unwahr zurückweist. Block behauptet, Hensel habe die Kinder manipuliert. Sie habe seit Jahren so gut wie keinen Kontakt mehr zu den drei Kindern in Dänemark. Die zweitälteste Tochter lebt bei Block in Hamburg.



