Hamburg – Im Prozess um die Entführung der Kinder von Christina Block steht heute der 46. Verhandlungstag an. Vor dem Landgericht Hamburg soll der israelische Zeuge Said B. aussagen, der in der Silvesternacht 2023/2024 eines der Fluchtfahrzeuge gesteuert haben soll. Lange war ungewiss, ob er aufgrund des Iran-Kriegs überhaupt aus Israel anreisen kann. Doch nun sitzt Said B. im Zeugenstand, begleitet von seinem israelischen Anwalt Nir Yaslovitzh und seiner deutschen Strafverteidigerin Johanna Braun.
Zeuge und Beschuldigter zugleich
Besonders brisant: Said B. ist im aktuellen Verfahren gegen die Steakhaus-Erbin zwar Zeuge, aber gleichzeitig Beschuldigter in einem eigenen Strafverfahren. Sein Haftbefehl ist lediglich außer Vollzug gesetzt. Er reiste nur unter der Zusage freien Geleits nach Deutschland ein. Was genau im Gerichtssaal passiert, verfolgen wir im Live-Ticker.
Hintergrund: Der Kriminalfall Block
Der Fall Block ist äußerst komplex. Agenten, Prominente, Israelis, Detektive und Verwandte von Christina Block – immer wieder tauchen neue Namen im Verfahren um die Entführung der Kinder auf. Die Übersicht zu behalten, ist kaum möglich. Deshalb erklären wir das Who’s who zum Fall Block.
Rosenkrieg endete mit Entführung
2005 gab Christina Block Stephan Hensel das Jawort. Mehr als 20 Jahre und vier gemeinsame Kinder später liefert sich das inzwischen geschiedene Paar einen erbitterten Rosenkrieg. Nachdem der Vater die Kinder bei sich und seiner neuen Familie behielt, kam es zur Entführung. Die Chronologie des Falls Block gibt einen detaillierten Überblick.
Prozessbeginn verzögert sich
Der 46. Prozesstag startete heute mit einer Verzögerung. Der israelische Zeuge wartete bereits vor dem Saal mit seinen Anwälten. Geplant war der Beginn für 9:30 Uhr.
Ermittlungsakte des Fahrers
Aus der früheren Vernehmung von Said B. beim Landeskriminalamt geht hervor: Der mutmaßliche Fahrer schilderte, dass die Kinder in der Silvesternacht 2023/24 gewaltsam ins Auto gebracht wurden, während mehrere Männer den Vater zu Boden drückten. Die Kinder hätten sich gewehrt und seien verängstigt gewesen. Er selbst habe im Wagen gewartet und auf das Signal zur Flucht gehofft. Es folgte eine hektische Flucht im Konvoi durch ein Waldgebiet, begleitet von Sirenen, Polizeihunden und einem Hubschrauber. Said B. gab an, damals an einen legalen Auftrag – eine Rückführung – geglaubt zu haben, und erhielt 10.000 Euro. In seiner Aussage zeigte er später Reue und entschuldigte sich bei den Kindern und ihrem Vater.
Letzter Prozesstag: Ermittlerin im Fokus
Am 45. Prozesstag stand plötzlich nicht mehr nur Christina Block im Fokus, sondern die leitende Ermittlerin selbst. Kriminalbeamtin Merle B. (44) wurde von Blocks Verteidiger Ingo Bott (43) scharf ins Kreuzverhör genommen. Sein Vorwurf: Die Polizistin könnte bei ihren Ermittlungen von Blocks Ex-Mann Stephan Hensel beeinflusst worden sein. Bott sprach sogar davon, die Ermittlungen seien „auf einem Auge blind“ geführt worden. Die Beamtin wies das entschieden zurück. Zwar habe Hensel ihr mehr als 280 Dokumente geschickt und sie habe häufig mit ihm und seiner neuen Ehefrau telefoniert, doch das sei in ihrer Rolle als Ermittlerin normal gewesen. Mit Christina Block selbst habe sie hingegen nur selten gesprochen. Eine einseitige Beeinflussung bestritt sie klar. Brisant wurde es bei einer Aussage Blocks kurz nach der Tat: Laut Ermittlerin soll sie gesagt haben, es habe sich nicht um eine Entführung, sondern um eine „Rückführung“ gehandelt. Für die Beamtin ein entscheidender Punkt: „Für mich war das ein Teilgeständnis.“ Die Befragung der Ermittlerin wird am heutigen Prozesstag fortgesetzt.



