Kreuzverhör im Kongress: US-Justizministerin Bondi gesteht Fehler bei Epstein-Akten
In einer hitzigen und kontroversen Debatte sah sich die US-Justizministerin Pam Bondi mit scharfen Fragen von Kongressabgeordneten konfrontiert. Die Anhörung im Repräsentantenhaus drehte sich um die umstrittene Handhabung der veröffentlichten Akten im Fall des verstorbenen Multimillionärs Jeffrey Epstein, der jahrelang einen internationalen Missbrauchsring betrieben hatte, dem zahlreiche junge Frauen und Minderjährige zum Opfer fielen.
Kritik an Schwärzungen und Veröffentlichungspraxis
Der demokratische Abgeordnete Jamie Raskin übte heftige Kritik an dem Vorgehen des Justizministeriums. Er warf Bondi vor, dass die Namen von Opfern nicht ausreichend geschwärzt worden seien, während die Identitäten von Tätern und Komplizen unkenntlich gemacht wurden. "Viele Opfer hatten ihre Peinigung geheim gehalten, sogar vor Familie und Freunden", argumentierte Raskin. "Dennoch hat das Ministerium ihre Namen und persönlichen Daten mit der Welt geteilt."
Sein Parteikollege Dan Goldman unterstützte diese Vorwürfe und bezeichnete die Schwärzungen als "unzulässig". Aus seiner Sicht schützten sie US-Präsident Donald Trump und andere mit Epstein in Verbindung stehende Personen, während den Opfern dadurch zusätzliches Leid zugefügt worden sei. "Die Identifikationsdaten der Opfer waren das Einzige, was hätte geschwärzt werden müssen – und genau das ist nicht geschehen", so Goldman.
Bondis Einräumung und Verteidigung
Justizministerin Bondi, die in der Trump-Regierung amtiert, räumte in ihrer Stellungnahme Fehler ein. Sie gab zu, dass stellenweise Namen von Epstein-Opfern "versehentlich" veröffentlicht worden seien. Diese seien jedoch nach entsprechenden Hinweisen "umgehend" geschwärzt worden. Bondi verteidigte gleichzeitig die allgemeine Vorgehensweise ihres Ministeriums und verwies auf die Komplexität der Aktenveröffentlichung.
Goldman konterte diese Erklärung mit dem Hinweis, dass Zeitmangel kein plausibler Grund für die Fehler gewesen sein könne. Das Justizministerium habe sich 75 Tage Zeit gelassen, obwohl nur 30 Tage für die Aufbereitung der Dokumente vorgesehen waren. Mitte Dezember hatte das Ministerium mit der Veröffentlichung der Ermittlungsakten begonnen, doch kurz darauf waren überraschend mehr als ein Dutzend Dateien wieder aus dem Netz genommen worden.
Hintergrund und weitere Entwicklungen
Bondis Stellvertreter Todd Blanche hatte die plötzliche Löschung damals mit dem Schutz der Betroffenen begründet. Die entfernten Fotos hätten potenzielle Opfer gezeigt, die zuvor nicht als solche identifiziert worden seien. Die Anhörung unterstreicht die anhaltenden Kontroversen um die Aufarbeitung des Epstein-Skandals, der weiterhin die amerikanische Politik und Justiz beschäftigt.
Die Debatte im Kongress zeigt, wie sensibel der Umgang mit solchen Akten ist und welche ethischen sowie rechtlichen Herausforderungen bei der Transparenz gegenüber dem Schutz der Opfer bestehen. Bondis Geständnis von Fehlern markiert einen bedeutenden Moment in der Aufklärung dieses vielschichtigen Missbrauchsfalls.



