Brosius-Gersdorf verarbeitet Richterwahl-Drama in Buch
Brosius-Gersdorf: Buch über gescheiterte Richterwahl

Die Potsdamer Juraprofessorin Frauke Brosius-Gersdorf verarbeitet den politischen Streit um ihre gescheiterte Kandidatur für das Bundesverfassungsgericht in einem Buch. Ihre Wahl zur Richterin am höchsten deutschen Gericht in Karlsruhe war im Sommer 2025 gescheitert. Brosius-Gersdorf spricht von einer „absoluten Ausnahmesituation“ für sich und ihren Mann.

Hintergründe der gescheiterten Wahl

Brosius-Gersdorf war von der SPD für das Amt als Richterin am Bundesverfassungsgericht vorgeschlagen worden. Doch die Union hatte erhebliche Vorbehalte. Es kam zum Streit innerhalb der schwarz-roten Koalition, die Wahl wurde abgesagt. Die Juristin war unter anderem wegen ihrer Positionen zum Abtreibungsrecht in sozialen Medien heftig angegriffen worden. Im August 2025 verzichtete sie schließlich auf ihre Kandidatur.

Buch als Zeitdokument

„Mir ist es wichtig, die Politisierung der Richterwahl, die im Sommer 2025 stattfand, noch einmal aufzuarbeiten und zu zeigen, welche Kampagnen wie gewirkt haben“, sagte die Rechtswissenschaftlerin der Deutschen Presse-Agentur in Potsdam. „Das Ganze ist ein Stück Zeitgeschichte. Eine solche Politisierung und Instrumentalisierung der Wahl von Richtern für das Bundesverfassungsgericht hat es vorher nicht gegeben.“ Ihr Buch mit dem Titel „Wahl und Wahrheit“ erscheint am 1. September.

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Der Verlag Droemer Knaur schreibt: „Die 2025 spektakulär gescheiterte Wahl von Frauke Brosius-Gersdorf zur Richterin am Bundesverfassungsgericht machte deutlich, wie schnell die unabhängige Justiz auch hierzulande zur Zielscheibe populistischer Agitation werden kann.“ Das Buch setze sich mit brennenden gesellschaftlichen Fragen aus juristischer Perspektive auseinander, darunter Schwangerschaftsabbruch, Parteiverbote und das Verhältnis von Staat und Kirche.

Lehren aus dem Fall ziehen

Brosius-Gersdorf betonte: „Es darf nicht sein, dass sich solch ein Fall wiederholt, weil dann das Bundesverfassungsgericht und die rechtsstaatliche Demokratie schweren Schaden nehmen können.“ Alle Beteiligten sollten aus den Fehlern lernen. „Deshalb geht es in dem Buch auch um Vorschläge, was wir ändern können, damit es in Zukunft besser läuft. Beim Verfahren der Richterwahl, bei den Medien, der Debattenkultur und dem Umgang mit Frauen“, so die Inhaberin des Lehrstuhls für Öffentliches Recht an der Universität Potsdam.

Kampagne und Anfeindungen

Bereits im vergangenen Juli hatte die Juristin von einer Kampagne gegen sich gesprochen. Sie berichtete zudem von Drohungen und verdächtigen Postsendungen. „Die Bezeichnung meiner Person als 'ultralinks' oder 'linksradikal' ist diffamierend und realitätsfern“, erklärte sie damals. Auch Frauenfeindlichkeit habe aus ihrer Sicht eine Rolle gespielt.

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