Finale im Høiby-Prozess: Verteidiger halten entscheidendes Plädoyer
Der voraussichtlich letzte Verhandlungstag im umfangreichen Gerichtsprozess gegen Marius Borg Høiby, den Sohn der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit, steht in Oslo unmittelbar bevor. Nach fast sieben Wochen Verhandlungsdauer über Dutzende schwerwiegende Vorwürfe werden am Donnerstag die Verteidiger des 29-jährigen Angeklagten ihr abschließendes Plädoyer halten.
Staatsanwaltschaft fordert langjährige Haftstrafe
Die norwegische Staatsanwaltschaft hat am Mittwoch eine deutliche Position bezogen und eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren und sieben Monaten für Høiby gefordert. Von dieser Strafe sollen die bereits absolvierten 63 Tage Untersuchungshaft abgezogen werden. Staatsanwalt Sturla Henriksbø beantragte die Verurteilung in 39 von insgesamt 40 Anklagepunkten.
Die Anklage umfasst ein breites Spektrum an Vorwürfen:
- Vier Fälle von Vergewaltigung nach norwegischem Recht, darunter ein Fall mit Penetration
- Häusliche Gewalt gegenüber zwei Ex-Freundinnen
- Unbefugtes Filmen der mutmaßlichen Opfer während der Tat
- Mehrere Drogen- und Verkehrsdelikte
Zentrale Rolle der „Frogner-Frau“
Besondere Aufmerksamkeit erfährt der Fall der sogenannten „Frogner-Frau“, einer Ex-Freundin Høibys, auf die sich 20 der 40 Anklagepunkte beziehen. Ein Vorfall in ihrer Wohnung im August 2024 hatte die Ermittlungen gegen den Sohn der Kronprinzessin ursprünglich ins Rollen gebracht. Die Staatsanwaltschaft fordert neben der Haftstrafe ein zweijähriges Kontaktverbot gegenüber dieser Frau.
Die Anklagevertretung ist überzeugt, dass Høiby die Frauen vergewaltigt hat, während diese schliefen, und die Taten heimlich filmte. Lediglich in einem Punkt – einem mutmaßlichen Verstoß gegen ein bestehendes Kontaktverbot durch einen versehentlichen Anruf – plädiert die Staatsanwaltschaft auf Freispruch.
Entschädigungsforderungen der mutmaßlichen Opfer
Alle mutmaßlichen Opfer haben im Laufe des Prozesses ausführlich ausgesagt. Ihre Rechtsvertreter haben am Mittwoch Entschädigungszahlungen in Gesamthöhe von 1,95 Millionen norwegischen Kronen (etwa 177.000 Euro) beantragt. Diese Forderungen unterstreichen die schwerwiegenden Vorwürfe, mit denen sich Høiby konfrontiert sieht.
Die Verteidigung von Marius Borg Høiby steht nun unter erheblichem Druck, in ihrem abschließenden Plädoyer überzeugende Argumente vorzubringen, die der massiven Haftforderung der Staatsanwaltschaft entgegenwirken können. Die norwegische Öffentlichkeit und Medien verfolgen den Prozessausgang mit großer Aufmerksamkeit, nicht zuletzt wegen der prominenten familiären Verbindungen des Angeklagten.



