Der iranische Oppositionspolitiker Reza Pahlavi hat Deutschland und Europa aufgefordert, einen härteren Kurs gegen die Führung in Teheran einzuschlagen. Jede Beschwichtigungspolitik sei sinnlos, sagte der 65-jährige Sohn des 1979 gestürzten Schahs bei einem Besuch in Berlin der Deutschen Presse-Agentur. „Das hat in all den Jahren zu nichts geführt.“
Attacke mit roter Flüssigkeit
Nach einem Pressetermin wurde Pahlavi von einem jungen Mann mit einer roten Flüssigkeit bespritzt und an Hals und Schulter beschmiert. Polizisten brachten den Täter zu Boden und nahmen ihn fest. Aus Pahlavis Team hieß es, es handle sich um Tomatensoße. Die Polizei ermittelt wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung und Beleidigung von Personen des politischen Lebens.
Demonstrationen in Berlin
Rund 1.000 Unterstützer demonstrierten mittags am Reichstagsgebäude für einen Machtwechsel im Iran. Viele schwenkten Fahnen mit dem Emblem der gestürzten Monarchie. Insgesamt 800 Polizeibeamte waren im Einsatz, da auch Gegner Pahlavis protestierten.
Kritik an westlicher Diplomatie
Pahlavi sagte auf einer Pressekonferenz, die Menschen im Iran wollten, dass „die Monster“ an der Staatsspitze nicht an der Macht blieben. Es gebe in dem Regime keine Pragmatiker oder Reformer. Er forderte westliche Regierungen auf, die jahrzehntelange Beschwichtigungspolitik zu beenden. Treffen mit der Bundesregierung waren nicht geplant; Pahlavi bedauerte dies, zeigte aber Verständnis für den Druck, dem die Regierung durch Erpressungsversuche des Regimes ausgesetzt sei.
Treffen mit Unionspolitikern
Pahlavi traf sich am Nachmittag mit Unions-Außenpolitiker Armin Laschet und anderen Bundestagsabgeordneten. Laschet verteidigte das Treffen in der ARD: „Er ist das einzige Oppositionsgesicht, das man kennt. Und für viele Iraner ist das halt die Alternative zum Mullah-Regime.“ Cansu Özdemir, außenpolitische Sprecherin der Linken, kritisierte dies: „Der Sohn des Schahs ist kein glaubwürdiger Demokrat – er steht für restaurative Machtvorstellungen.“
Pahlavis Rolle in der Opposition
Monarchistische Gruppen sehen Pahlavi als Anführer der Opposition. Mit Beginn der Massenproteste im Iran im Januar hatte er einen Machtwechsel gefordert und Polizei und Armee zum Überlaufen aufgerufen. Die Proteste wurden brutal niedergeschlagen. Teile der iranischen Gesellschaft sehen Pahlavi kritisch, da sein Vater mit harter Hand regierte. Gleichzeitig gibt es positive Erinnerungen an Reformprojekte und Westanbindung unter dem Schah.
Historische Verbindung zu Deutschland
Die Geschichte der Pahlavi-Dynastie ist eng mit politischem Protest in Deutschland verknüpft. Beim Staatsbesuch von Schah Mohammad Reza Pahlavi 1967 in West-Berlin wurde der Student Benno Ohnesorg von einem Polizisten erschossen – ein Ereignis, das die Studentenbewegung prägte. Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour (Grüne) sagte über Pahlavi, dieser sei eine politische Stimme, auf der viel Hoffnung ruhe, es gebe aber auch andere.



