Sechster Prozesstag: Smartwatch-Daten und heikle SMS belasten Marius Høiby
Smartwatch-Daten und SMS belasten Marius Høiby im Prozess

Sechster Prozesstag: Smartwatch-Daten und heikle SMS belasten Marius Høiby

Am sechsten Verhandlungstag im Prozess gegen Marius Høiby, den Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit, präsentierte die Staatsanwaltschaft in Oslo schwerwiegende Beweismittel. Ein pensionierter Ermittler legte Daten einer Smartwatch und ausgewertete Handynachrichten vor, die den Vorwurf der Vergewaltigung erhärten sollen. Der Angeklagte musste sich zudem mit äußerst heiklen SMS auseinandersetzen, die er in der fraglichen Nacht an Freunde geschickt hatte.

Belastende Smartwatch-Daten und ein heimliches Video

Der pensionierte Ermittler Stig Berg Larsen betrat den Gerichtssaal 250 und präsentierte detaillierte Diagramme, die aus der Auswertung von Handys und einer Smartwatch stammten. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit zeigte er auch ein Video, das Høiby vom nackten Unterleib der schlafenden Frau gefilmt hatte. Die Daten der Smartwatch, die der Frau gehörte, zeigten nicht nur deren Schlafphasen, sondern auch den genauen Zeitpunkt, zu dem sie aufwachte.

Laut den präsentierten Daten befand sich die Frau zwischen 4 Uhr und 4.57 Uhr in einer Tiefschlafphase, bevor ihr Puls stark anstieg und um 4.57 Uhr seinen Höhepunkt erreichte. Zu diesem Zeitpunkt filmte Høiby sie. Die Frau hatte in ihrer Aussage am Montag geschildert, dass sie durch eine schmerzhafte Penetration geweckt worden sei, sich aber ruhig verhalten habe, in der Hoffnung, dass es bald vorüber sei. Warum sie erst Monate später aussagte, dass dies gegen ihren Willen geschehen sei, konnte sie nicht erklären.

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Herabwürdige SMS und zweigleisige Kommunikation

Die Polizei hatte Høibys Handy ausgewertet, wodurch für alle Gerichtsteilnehmer sichtbar wurde, welche Nachrichten er in der Nacht vom 7. auf den 8. Oktober 2018 verschickt hatte. In eine Freunde-Gruppe mit anderen Männern schrieb er: „Was haltet ihr von dieser Frau?“ und schickte das Tinderprofil mit einem Bild von ihr mit. Ein Kumpel antwortete mit einem Smiley, dessen Augen vor Lachen tränen.

Am Morgen danach meldete Høiby Vollzug: „Ich habe in der Nacht eine verdammt fette Dame gef…“, schrieb er und fügte ein „Haha“ hinzu. Die Frau von den Lofoten saß nur wenige Meter von ihm entfernt im Gerichtssaal und blickte nach unten. Høiby versuchte, diese Nachrichten zu relativieren: „Ich wollte nicht, dass die Polizei mein Handy auswertet, das sollte niemand lesen“, sagte er. „Es ist ein verwerflicher, ein Jungs-Talk.“

Staatsanwalt Sturla Henriksbø wies darauf hin, dass Høibys Kommunikation zweigleisig war. Während er die Lofoten-Frau am Tag zuvor als „süß“ und „angenehm“ beschrieben habe, wertete er sie seinen Freunden gegenüber in äußerst herabwürdiger Weise ab. Dies könnte seine Glaubwürdigkeit erheblich schwächen.

Konflikte am Kai und eifersüchtige Nachrichten

In der Nacht zog es Høiby zweimal zur „Tobiasbrygga“, einem Kai am Wasser, wo er mit anderen jungen Männern badete, die er am selben Abend kennengelernt hatte. Diese sagten bei der Polizei aus, dass Høiby mehrmals ausfällig geworden sei. Zeugen berichteten von Diskussionen über Herumspritzen und Schreien. Ein Zeuge gab an, der Angeklagte habe sich aufgespielt, einen autoritären Ton an den Tag gelegt und Frauen ermutigt, mehr Alkohol zu trinken. Høiby gab an, sich daran nicht erinnern zu können.

Parallel schickte Høiby in derselben Nacht Nachrichten an eine Freundin, mit der ihn ein „on-off“-Verhältnis verband. Er schrieb: „Ich werde so eifersüchtig, dass ich nicht weiß, was ich mit mir anfangen soll“ und „Versuche, mich jetzt hinzulegen, auch wenn es schwer ist, weil die Frau, die ich liebe, mit einem anderen Typen unterwegs ist.“ Einem Freund gegenüber äußerte er: „Du kannst jede haben außer ihr“ und „Ich verliere meinen Kopf“.

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Høibys Aussagen und die Befragung durch die Nebenklageanwältin

Zu Beginn des Verhandlungstages gab Høiby im Verhör mit der Nebenklageanwältin Lill Vassbotn erneut an, einen großen „Bedarf an Selbstbestätigung“ zu haben. „Es kann sein, dass ich Trost gesucht habe“, sagte er zu der Nacht mit der Lofoten-Frau. Auf die Frage der Anwältin, ob Sex ohne Liebe für ihn ein Trost sei, antwortete er: „Das ist eine schwierige Frage.“

Die Anwältin der Lofoten-Frau versuchte, Høiby zu stellen: „Meine Mandantin wurde durch Schmerzen geweckt, weil Sie sie penetriert haben. Wie denken Sie darüber und wie erklären Sie das?“ Høiby antwortete: „Ich weiß nicht, warum jemand so etwas sagt. Es stand ja auch schon Einiges in den Medien über die Schlafvergewaltigungen.“ Auf die Nachfrage, ob die Frau dies erzählt habe, weil sie von weiteren Fällen gelesen habe, sagte er: „Das könnte eine Theorie sein. Ich bin ja nicht in ihrem Kopf.“ Vassbotn beendete die Befragung und hatte bereits am Vortag gegenüber Journalisten geäußert, dass Høiby sich ihrer Meinung nach „jeder Verantwortung entzieht“ und sich hinter seiner angeblich fehlenden Erinnerung verstecke.

Der Prozess zeigt, wie technologische Beweismittel wie Smartwatch-Daten und digitale Kommunikation in modernen Gerichtsverfahren eine immer größere Rolle spielen. Die Beweisaufnahme wird fortgesetzt, während die Öffentlichkeit gespannt auf das Urteil wartet.