Siegen: Urteil im Fall jahrelang eingesperrtes Mädchen erwartet
Urteil im Fall eingesperrtes Mädchen in Siegen

Das Landgericht Siegen verkündet heute das Urteil im Fall eines Mädchens, das mehr als sieben Jahre lang im Haus seiner Großeltern in Attendorn im Sauerland eingesperrt war. Die Mutter und die Großeltern des Kindes müssen sich vor Gericht verantworten.

Befreiung nach jahrelanger Isolation

Im September 2022 wurde das damals achtjährige Mädchen aus dem Einfamilienhaus der Großeltern im Kreis Olpe befreit. Es litt unter massiven psychischen, körperlichen und sozial-emotionalen Störungen. Das Kind war seit dem 15. Juli 2015 von seiner Mutter versteckt und vollständig isoliert worden. Es durfte das Haus nie verlassen, hatte keinen Kontakt zu anderen Kindern, keine ärztliche Untersuchung und besuchte weder Kita noch Schule.

Anklage gegen die Mutter

Die 49-jährige Mutter ist unter anderem wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen, Körperverletzung, Verletzung von Fürsorge- und Erziehungspflichten und Freiheitsberaubung angeklagt. Ihr wird vorgeworfen, ihr Kind mit „böswilliger Vernachlässigung“ schwer geschädigt zu haben. Sie habe dem Vater jeden Kontakt verweigert und vorgegeben, mit dem Kind in Italien zu leben, um es ganz für sich allein zu haben.

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Großeltern als Unterstützer

Der 83-jährige Großvater und die 80-jährige Großmutter sind wegen Beihilfe angeklagt. Sie sollen das Treiben ihrer Tochter aktiv unterstützt haben. Der Mutter drohen ein bis 15 Jahre Freiheitsstrafe, den Großeltern bis zu elf Jahre.

Verlauf des Prozesses

Der Prozess begann Anfang Februar neu, nachdem es zu Verzögerungen gekommen war. Die Verhandlung fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Details zur Schuldfähigkeit der Mutter und zur Aussage des Vaters sind nicht bekannt. Auch die Plädoyers von Verteidigung und Staatsanwaltschaft wurden nicht öffentlich gemacht.

Das heute zwölfjährige Mädchen befindet sich in ambulanter Therapie. Bis Mai 2023 wurde es in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie behandelt. Der Fall hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt.

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