Klimakosten durch Luxuskonsum: Reiche verursachen Billionenschäden
Klimakosten durch Luxuskonsum: Reiche verursachen Billionenschäden

Klimabelastung durch Überkonsum: Wer sich Luxus leistet, muss alle Kosten bezahlen

Ein Newsletter von Lukas Kissel

Durch ihren Konsum verursachen die oberen zehn Prozent der Weltbevölkerung laut einer Studie jährlich Umweltschäden in Höhe von bis zu 5,7 Billionen Dollar. Doch die Reichen sind auch Teil der Lösung. 19.06.2026, 07.15 Uhr

Elon Musk ist in vielerlei Hinsicht ein Mann der Extreme, das gilt auch für seinen ökologischen Fußabdruck. Allein seine (mindestens) zwei Privatjets stoßen 5497 Tonnen CO2 pro Jahr aus – so viel, wie beim weltweiten Durchschnittsmenschen in 834 Jahren anfiele. Da ist der restliche Konsum von Musk noch gar nicht eingerechnet.

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Diese Zahlen stammen aus einem Report der Entwicklungsorganisation Oxfam von Oktober 2024, als das Vermögen des US-Unternehmers zwischen etwa 250 und 400 Milliarden US-Dollar lag. Seit dem Börsengang seines Unternehmens SpaceX am vergangenen Freitag ist der reichste Mann des Planeten der erste Billionär der Geschichte.

Nicht nur Musks Reichtum wächst in atemberaubendem Tempo. Die Milliardäre der Welt haben im vergangenen Jahr weitere 2,5 Billionen US-Dollar angehäuft, seit 2020 ist ihr Vermögen inflationsbereinigt um mehr als 80 Prozent gestiegen, berichtet Oxfam. Die Superreichen reisen in Privatjets, urlauben auf Jachten, wohnen in modernen Palästen – und tragen damit weit mehr zur Umweltzerstörung bei als Normalsterbliche.

Aber es geht gar nicht nur um die Elon Musks der Welt. Auch diejenigen, die nicht superreich sind, aber im globalen Kontext zur Elite gehören, verbrauchen überproportional viele Ressourcen.

In den vergangenen Jahren haben viele Studien betont, welche Ungerechtigkeiten mit Blick aufs Klima einhergehen. Der Gedanke, auf dem die Forschung zu Klimagerechtigkeit aufbaut: Wenn die Welt die Erderwärmung auf 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau begrenzen will (was sie aller Voraussicht nach nicht mehr einhalten kann), dürfen wir nur noch eine gewisse CO2-Menge ausstoßen – zurzeit noch etwa 130 Milliarden Tonnen.

Doch von diesem Kuchen bekommen nicht alle gleich viel ab. Einige wenige zehren große Teile des Budgets auf, während die Ärmeren unter den Folgen leiden. Manche Forschende sagen inzwischen, dass die Ungerechtigkeit im Beitrag zur Erderwärmung heute weniger zwischen Ländern des globalen Nordens und des globalen Südens bestehe – sondern eher zwischen den Reichen und dem Rest.

So schwindelerregend manche Zahlen aus diesen Studien sind, so wenig greifbar sind sie. Besser verständlich sind Vergleiche und Bilder wie diese:

  • Die reichsten zehn Prozent der Weltbevölkerung haben zwei Drittel der Erderwärmung seit 1990 zu verantworten, konstatiert eine Studie aus „Nature Climate Change“ von 2025.
  • Hätte jeder Mensch der Welt dasselbe verbleibende Treibhausgasbudget, hätte das reichste Prozent der Weltbevölkerung seines in diesem Jahr schon am 10. Januar aufgebraucht.
  • Während eine superreiche Person aus den reichsten 0,1 Prozent im Schnitt alle 2,43 Sekunden einen Luftballon voll CO2 aufsteigen lässt, füllt ein Mensch aus der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung den Ballon laut Oxfam erst in über 16 Minuten.

Die Reichen sind auch Teil der Lösung

An diesem Donnerstag ist eine weitere Studie hinzugekommen, die – den Angaben der Autorin und der Autoren zufolge zum ersten Mal – dem Umweltschaden durch den Konsum der Reichen ein Preisschild gibt. Dabei versuchten die Forschenden von der Universität Leiden, die Schäden durch CO2-Emissionen, durch den Verlust der Artenvielfalt, durch Stickstoff- und Phosphorbelastung und durch Süßwasserverbrauch in einen Geldwert umzurechnen. Die Studie erschien im Fachmagazin „Communications Sustainability“.

Die zehn Prozent der Weltbevölkerung, die am meisten konsumieren, verursachen demnach Umweltschäden in Höhe von zusammen zwischen 1,7 bis 5,7 Billionen Dollar pro Jahr. Innerhalb dieser Gruppe sind das pro Kopf zwischen 2300 und 7500 Dollar. Mehr als 60 Prozent dieser Gruppe leben der Studie zufolge in den USA und der EU – dabei gehören in der EU etwa 40 bis 45 Prozent der Bevölkerung dazu, in den USA mehr als die Hälfte.

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Solche Ansätze, die etwas Abstraktes wie Umweltschäden in Dollar beziffern, sind ein Konstrukt, wie die Forschenden selbst sagen. Und die vier von ihnen betrachteten Aspekte können nur einen Teil der Schäden erfassen. Aber die Rechnung beziffert die Dimensionen des Problems. Nicht zuletzt zeigt sie einen Teil der Lösung auf.

Denn die obersten zehn Prozent seien nicht nur deshalb wichtig, weil sie den größten Schaden verursachten, sagt der Umweltwissenschaftler und Co-Autor Paul Behrens. „Sondern auch, weil sie den größten Einfluss darauf haben, diesen Schaden zu verringern. Das Kapital, das sie investieren, entscheidet darüber, welche Branchen wachsen; die von ihnen geführten Unternehmen bestimmen die Wahlmöglichkeiten für alle anderen; und der Lebensstil, den sie pflegen, prägt das, was die Menschen als normal ansehen.“

Die von den Forschenden errechnete Schadenssumme beträgt ein Vielfaches dessen, was die internationale Gemeinschaft an Mitteln für den Klima- und den Artenschutz zugesagt hat. Und sie entspräche in etwa dem Budget, das nötig wäre, um diese Krisen zu bewältigen, schreiben die Wissenschaftler. Dazu müssten die im globalen Kontext Bessergestellten die Kraft aufbringen, bei sich selbst anzusetzen.

Das Prinzip, nach dem derjenige zahlt, der die Verschmutzung verursacht – das Polluter Pays Principle – müsse konsequenter auf die höherkonsumierenden Gruppen angewendet werden, schlagen die Forschenden vor. Konkret bräuchte es dafür Steuern auf Luxus- statt auf Grundgüter, etwa eine Strafsteuer auf Superjachten und Privatjets, wie sie Oxfam fordert.

Bei der vergangenen Weltklimakonferenz im brasilianischen Belém schlug eine Initiative mehrerer Länder eine Luxusflugsteuer vor, die Einnahmen sollten für den Klimaschutz eingesetzt werden. Letztlich wurde die Idee nicht beschlossen. Doch der Vorstoß zeigte, dass Klimagerechtigkeit kein Nischenthema mehr ist. Und dass die Debatte über Lösungen läuft.