CSU muss bei Münchner OB-Wahl schwere Niederlage einstecken
Die Münchner CSU hat bei der Oberbürgermeisterwahl am Sonntag eine herbe Enttäuschung erlebt. Ihr Kandidat Clemens Baumgärtner landete mit lediglich 21,4 Prozent der Stimmen abgeschlagen auf dem dritten Platz. Damit verpasste er deutlich die erhoffte Stichwahl, die nun zwischen dem Grünen-Kandidaten Dominik Krause und dem amtierenden Oberbürgermeister Dieter Reiter von der SPD stattfinden wird.
Fassungslosigkeit im Park Café
Im Park Café im Alten Botanischen Garten, wo die CSU ihre Wahlparty als geschlossene Gesellschaft für etwa 400 Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfer veranstaltete, herrschte bei der Bekanntgabe der ersten Ergebnisse blankes Entsetzen. „Was ist das denn?“, rief ein CSU-Wahlkämpfer fassungslos in die Menge. Die Partei hatte trotz vorheriger Anspannung mit einem zweiten Platz für Baumgärtner und einem Ergebnis über 25 Prozent gerechnet.
„Tut mir leid für den Clemens“, war aus der enttäuschten Menge zu hören, „tut mir sehr leid.“ Das Ergebnis entspricht in etwa dem Abschneiden von Baumgärtners Parteikollegin Kristina Frank bei der letzten OB-Wahl vor sechs Jahren, die damals 21,3 Prozent erreichte.
Baumgärtner: „Man muss der Wahrheit ins Gesicht sehen“
Der unterlegene CSU-Kandidat zog sich zunächst in einen Nebenraum zurück, um die ernüchternden Zahlen für sich allein zu verdauen. Erst gegen 19.40 Uhr trat er ernst, aber gefasst auf die Bühne, flankiert von CSU-Bezirkschef Georg Eisenreich, Rathausfraktionschef Manuel Pretzl und seinen Wahlkampfleitern Seppi Schmid und Alexander Dietrich.
Baumgärtner erntete minutenlangen Beifall von seinen Mitstreitern und sagte: „Ich hab’s gern gemacht. Und ich glaube, dass wir alles, alles, alles gegeben haben. Von Herzen Danke an jeden Einzelnen. Aber man muss der Wahrheit ins Gesicht sehen. Ich gratuliere Dieter Reiter und Dominik Krause.“
Zuversicht wich der Ernüchterung
Noch vor 18 Uhr, bei aller Anspannung, war die Stimmung unter den CSUlern im Park Café zuversichtlich gewesen. Man stand zusammen, aß Brezn und Obazdn, Leberkäs und Kartoffelsalat. CSU-Stadträtin Ulrike Grimm hatte noch geäußert: „Der Clemens wird neuer Oberbürgermeister nach der Stichwahl, ich bin da hoffnungsfroh.“
CSU-Bezirkschef Georg Eisenreich, der Wahlabende grundsätzlich mag, sagte vor der Ergebnisverkündung: „Ja! Ich mag die Anspannung. Aber ich mag danach ein gutes Ergebnis sehen und stolz sein.“ Auch Rathausfraktionschef Manuel Pretzl wirkte zunächst munter und verwies auf den guten Wahlkampf.
Falsche Einschätzung der Bayern-Affäre
Die CSU hatte offenbar kaum damit gerechnet, dass der Wirbel um Dieter Reiters Verwaltungsbeirats- und Aufsichtsratsposten beim FC Bayern aus vergangener Woche dem amtierenden SPD-OB Stimmen kosten könnte. Wahlkampfleiter Seppi Schmid meinte vor der Ergebnisverkündung: „Ich glaube nicht, dass diese Sache für diese Wahl eine Rolle spielen wird. Schon wegen der Menge an Briefwählern nicht. Die wussten davon noch nicht, als sie gewählt haben.“
Es kam anders. Triumphierender Sieger des ersten Wahlgangs ist der grüne Dominik Krause, während Dieter Reiter zwar in die Stichwahl einzog, aber deutliche Verluste hinnehmen musste.
Kleine Hoffnung bei Stadtratswahl
Als die ersten Ergebnisse zur parallel stattfindenden Stadtratswahl bekannt wurden, ging immerhin ein Aufatmen durch die CSU-Runde. Grüne und SPD haben demnach verloren, die Koalition Grün-Rot verfügt über keine eigene Mehrheit mehr, während die CSU leicht zulegen konnte.
Georg Eisenreich betonte: „CSU ist eine große Kraft in dieser Stadt und wir wollen hier mit regieren.“ Nach dem kurzen Bühnenauftritt zog sich die CSU-Führungsriege jedoch eilig wieder in den Nebenraum zurück – für Pressevertreter war der Zutritt nun nicht mehr erlaubt.
„Das muss man erst mal verdauen“
CSU-Landtagsabgeordneter Robert Brannekämper, einer der wenigen, die sich nach der Niederlage noch äußerten, sagte zerknirscht: „Das muss man erst mal verdauen jetzt, wir haben alle gedacht, dass er Zweiter wird.“
Die Münchner CSU steht nach dieser Wahlpleite vor einer schwierigen Analyse. Während die Stichwahl in zwei Wochen ohne Beteiligung der Christsozialen stattfindet, muss die Partei nun ihre Rolle in der künftigen Stadtratskonstellation neu definieren.



